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Mittwoch, 4. Juni 2008
Das Chaos ist perfekt... Teil 1
susisdiary, 16:38h
In den folgenden Monaten ereigneten sich dramatische Dinge. Ein schrecklicher Schicksalsschlag ließ den Kontakt zu meiner Tante einfrieren. Jan fand relativ weit weg eine Lehrstelle; aus dem Abi war bei ihm leider nichts geworden. Max dagegen hatte 2002 mit seinem Abi zu tun und brach den Kontakt urplötzlich zu seinen ehemals besten Freunden ab. Er wollte nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Warum das passiert ist, habe ich bis heute nicht herausgefunden. Ich dagegen hielt weiterhin den Kontakt, schließlich kannten wir uns schon ewig und sie lagen mir wirklich am Herzen. Sollte mein Cousin doch machen, was er wollte, mich interessierte es überhaupt nicht.
Es verging dann einige Zeit, bis das Gefühlschaos endgültig über uns hereinbrach. Zwischen Daniel und mir hatte es ab und an heftig gefunkt, doch wir hatten uns bisher nicht offenbaren können. Bei mir überwiegte noch die Angst, sich mit einem guten Freund einzulassen, schließlich bestand die Gefahr, dass diese Freundschaft durch ein Beenden der Beziehung ebenfalls kaputt gehen könnte. Außerdem nagten an mir noch Zweifel, wie lange eine Beziehung mit Daniel überhaupt halten konnte, da er sich an seinen bisherigen Kurzbeziehungen nichts geändert hatte. Sobald er sich langweilte, was nach wenigen Tagen, spätestens aber nach zwei drei Wochen der Fall war, beendete er die Beziehungen. Allein schon dieses Wissen sollte mich davon überzeugen, nichts mit ihm anzufangen. Doch gegen Gefühle ist man bekanntlich machtlos, und so kam es, wie es kommen musste.
Zu Sylvester 2003 hatte meine Mutter diverse Gäste geladen. Während ich von Daniel, Leon und Gabriel Besuch hatte, ging mein Bruder zu einem Freund, wo sie gemeinsam am PC zocken wollten. Zum Feuerwerk wollten sie aber vorbeischauen. Wir feierten ein grandioses Fest mit einem dreiviertelstündigen Feuerwerk und einem Ballonstart. Danach wollte mein Bruder zusammen mit Robin die Sachen von ihrer Mini-LAN-Party wieder zurück zu uns bringen. Das war gegen drei Uhr morgens.
Ich saß mit meinen Freunden vor dem Fenster, als wir aufeinmal ein panisches Geschrei, das von draußen kommen musste, vernahmen. Dann hörten wir, dass jemand bei uns Sturm klingelte. Ich raste die Treppe runter, doch meine Mutter war mir zuvor gekommen. Im Türrahmen stand bibbernd und kreidebleich mein Bruder. Sichtlich zu Tode erschrocken stammelten sein Freund und er von einem Unbekannten, der sie mit einem Schwert bedroht und den Frank zur Verteidigung mit seinem PC beworfen habe.
Wir benachrichtigten die Polizei, die gegen halb fünf aufkreuzte. Mein Vater sammelte davor noch gemeinsam mit einem verbliebenen Freund die Überreste des PCs auf. Meine Mutter und ich waren völlig aufgelöst und zitterten vor Aufregung. Vergeblich versuchten wir, Frank und seinen Freund zu beruhigen; der Schock war zu groß. Selbst Daniel, der zu Frank sonst immer einen recht guten Draht hatte, konnte zur Aufheiterung nichts beitragen. Die Todesangst, die die zwei Jungs erlitten hatten, war einfach zu hartnäckig. Im Gegensatz zu ihm ließ ich mich von Daniel aufmuntern. Leon und Gabriel diskutierten stattdessen eifrig mit meinem Vater, wie so etwas Unglaubliches hatte passieren können. Es war uns allen unbegreiflich.
Franks Angst ließ Stunden später immer noch nicht nach. Sogar beim Frühstück zeigte er noch Verunsicherung, und das alles nur wegen irgendeinem Hirnamputierten. Wäre dieser Mensch mir über den Weg gelaufen, er hätte sich auf einiges gefasst machen müssen, schließlich vergreift sich niemand ungestraft an meinem Bruder.
Vier Tage nach Sylvester klärte sich der Spuk erst vollständig auf. Es kam heraus, dass in der Nachbarschaft finstere Gestalten herumgeschlichen waren, die nach leeren Häusern Ausschau hielten, um einzubrechen. Ein Hausbesitzer wurde von seiner Frau alarmiert, die diese Kerle vom Fenster aus im Garten herumschnüffeln sah. Mutig – oder vielmehr lebensmüde – nahm er sich ein „großes Küchenmesser“, um die Eindringlinge zu vertreiben. Laut meinem Bruder und seinem Freund hatte es nur vielmehr nach einem Säbel ausgesehen. Meine Vermutung war, dass der Verrückte Besitzer einer Dönerbude war und sich mit dem entsprechenden „Dönermesser“ bewaffnet hatte.
In dieser Montur wagte er sich in den Garten, doch siehe da, die merkwürdigen Gestalten waren verschwunden. Entschlossen, die Diebe zu jagen, setzte er sich in seinen BMW und fuhr vorsichtig die Straße lang. Da sah er plötzlich zwei ziemlich schwer bepackte Gestalten. Vom Größenwahn gepackt fuhr er auf die Zwei zu, ließ die Scheibe herunter und sprach sie furchtlos an. Doch leider verstanden Frank und sein Freund das gebrochene und noch dazu genuschelte Deutsch nicht. Sie hielten den Mann zunächst für jemanden, der sich verfahren hatte, weshalb sie meinten, wo er denn hin wolle.
Während der Mann unverständlich antwortete, sah Franks Freund einen Säbel im Auto blitzen und schrie panisch: „Frank, lauf! Der Kerl ist bewaffnet!“
In diesem Moment riss der Mann die Tür auf und hielt einen Säbel in der Hand. Franks Freund rannte blindlings los, während Frank wie erstarrt war. Der Mann kam näher und sein Freund rannte immer noch, da warf Frank angsterfüllt den PC nach dem Mann und eilte los. Er überholte seinen Freund und legte die Strecke zu unserem Haus in Rekordzeit zurück. Mit einem Satz sprang er über unser Tor, und das ist immerhin einen Meter 70 hoch.
In der Zwischenzeit hatte sich auch der Mann aus dem Staub gemacht, da er es ebenfalls mit der Angst zu tun bekommen hatte. Drei Tage später war er zu Polizei gegangen und meldete, dass man versucht habe, bei ihm einzubrechen. Als er versucht habe, die Täter zu stellen, habe ihn einer der Zwei mit einem wahrscheinlich gestohlenen PC beworfen, der ihm auf den Fuß gefallen sei und dort nun einen blauen Fleck hatte. So viel Zufälle aufeinmal kann es in einer Kleinstadt nicht geben, dachte sich die schlaue Polizei, und sie behielt Recht. Der arme Kerl musste vor uns und Franks Freund zu Kreuze kriechen und sich entschuldigen, schließlich hatte er unschuldige Leute bedroht und ihnen einen Mordsschrecken eingejagt. Ich hätte diesen Bekloppten am liebsten vor Gericht gezerrt, schließlich leben wir in einem Rechtsstaat, wo man nicht zur Selbstjustiz greifen kann. Außerdem war am PC die Festplatte kaputt. Ich meinte, wenigstens diese könne man ersetzt bekommen, aber meine Eltern waren dagegen. Sie wollten die Sache auf sich beruhen lassen.
Später durfte ich mir dann noch von meinen Freunden anhören, dass es bei mir nie langweilig wurde. Es sei immer was los. Auf solche Ereignisse kann ich aber getrost verzichten.
Es verging dann einige Zeit, bis das Gefühlschaos endgültig über uns hereinbrach. Zwischen Daniel und mir hatte es ab und an heftig gefunkt, doch wir hatten uns bisher nicht offenbaren können. Bei mir überwiegte noch die Angst, sich mit einem guten Freund einzulassen, schließlich bestand die Gefahr, dass diese Freundschaft durch ein Beenden der Beziehung ebenfalls kaputt gehen könnte. Außerdem nagten an mir noch Zweifel, wie lange eine Beziehung mit Daniel überhaupt halten konnte, da er sich an seinen bisherigen Kurzbeziehungen nichts geändert hatte. Sobald er sich langweilte, was nach wenigen Tagen, spätestens aber nach zwei drei Wochen der Fall war, beendete er die Beziehungen. Allein schon dieses Wissen sollte mich davon überzeugen, nichts mit ihm anzufangen. Doch gegen Gefühle ist man bekanntlich machtlos, und so kam es, wie es kommen musste.
Zu Sylvester 2003 hatte meine Mutter diverse Gäste geladen. Während ich von Daniel, Leon und Gabriel Besuch hatte, ging mein Bruder zu einem Freund, wo sie gemeinsam am PC zocken wollten. Zum Feuerwerk wollten sie aber vorbeischauen. Wir feierten ein grandioses Fest mit einem dreiviertelstündigen Feuerwerk und einem Ballonstart. Danach wollte mein Bruder zusammen mit Robin die Sachen von ihrer Mini-LAN-Party wieder zurück zu uns bringen. Das war gegen drei Uhr morgens.
Ich saß mit meinen Freunden vor dem Fenster, als wir aufeinmal ein panisches Geschrei, das von draußen kommen musste, vernahmen. Dann hörten wir, dass jemand bei uns Sturm klingelte. Ich raste die Treppe runter, doch meine Mutter war mir zuvor gekommen. Im Türrahmen stand bibbernd und kreidebleich mein Bruder. Sichtlich zu Tode erschrocken stammelten sein Freund und er von einem Unbekannten, der sie mit einem Schwert bedroht und den Frank zur Verteidigung mit seinem PC beworfen habe.
Wir benachrichtigten die Polizei, die gegen halb fünf aufkreuzte. Mein Vater sammelte davor noch gemeinsam mit einem verbliebenen Freund die Überreste des PCs auf. Meine Mutter und ich waren völlig aufgelöst und zitterten vor Aufregung. Vergeblich versuchten wir, Frank und seinen Freund zu beruhigen; der Schock war zu groß. Selbst Daniel, der zu Frank sonst immer einen recht guten Draht hatte, konnte zur Aufheiterung nichts beitragen. Die Todesangst, die die zwei Jungs erlitten hatten, war einfach zu hartnäckig. Im Gegensatz zu ihm ließ ich mich von Daniel aufmuntern. Leon und Gabriel diskutierten stattdessen eifrig mit meinem Vater, wie so etwas Unglaubliches hatte passieren können. Es war uns allen unbegreiflich.
Franks Angst ließ Stunden später immer noch nicht nach. Sogar beim Frühstück zeigte er noch Verunsicherung, und das alles nur wegen irgendeinem Hirnamputierten. Wäre dieser Mensch mir über den Weg gelaufen, er hätte sich auf einiges gefasst machen müssen, schließlich vergreift sich niemand ungestraft an meinem Bruder.
Vier Tage nach Sylvester klärte sich der Spuk erst vollständig auf. Es kam heraus, dass in der Nachbarschaft finstere Gestalten herumgeschlichen waren, die nach leeren Häusern Ausschau hielten, um einzubrechen. Ein Hausbesitzer wurde von seiner Frau alarmiert, die diese Kerle vom Fenster aus im Garten herumschnüffeln sah. Mutig – oder vielmehr lebensmüde – nahm er sich ein „großes Küchenmesser“, um die Eindringlinge zu vertreiben. Laut meinem Bruder und seinem Freund hatte es nur vielmehr nach einem Säbel ausgesehen. Meine Vermutung war, dass der Verrückte Besitzer einer Dönerbude war und sich mit dem entsprechenden „Dönermesser“ bewaffnet hatte.
In dieser Montur wagte er sich in den Garten, doch siehe da, die merkwürdigen Gestalten waren verschwunden. Entschlossen, die Diebe zu jagen, setzte er sich in seinen BMW und fuhr vorsichtig die Straße lang. Da sah er plötzlich zwei ziemlich schwer bepackte Gestalten. Vom Größenwahn gepackt fuhr er auf die Zwei zu, ließ die Scheibe herunter und sprach sie furchtlos an. Doch leider verstanden Frank und sein Freund das gebrochene und noch dazu genuschelte Deutsch nicht. Sie hielten den Mann zunächst für jemanden, der sich verfahren hatte, weshalb sie meinten, wo er denn hin wolle.
Während der Mann unverständlich antwortete, sah Franks Freund einen Säbel im Auto blitzen und schrie panisch: „Frank, lauf! Der Kerl ist bewaffnet!“
In diesem Moment riss der Mann die Tür auf und hielt einen Säbel in der Hand. Franks Freund rannte blindlings los, während Frank wie erstarrt war. Der Mann kam näher und sein Freund rannte immer noch, da warf Frank angsterfüllt den PC nach dem Mann und eilte los. Er überholte seinen Freund und legte die Strecke zu unserem Haus in Rekordzeit zurück. Mit einem Satz sprang er über unser Tor, und das ist immerhin einen Meter 70 hoch.
In der Zwischenzeit hatte sich auch der Mann aus dem Staub gemacht, da er es ebenfalls mit der Angst zu tun bekommen hatte. Drei Tage später war er zu Polizei gegangen und meldete, dass man versucht habe, bei ihm einzubrechen. Als er versucht habe, die Täter zu stellen, habe ihn einer der Zwei mit einem wahrscheinlich gestohlenen PC beworfen, der ihm auf den Fuß gefallen sei und dort nun einen blauen Fleck hatte. So viel Zufälle aufeinmal kann es in einer Kleinstadt nicht geben, dachte sich die schlaue Polizei, und sie behielt Recht. Der arme Kerl musste vor uns und Franks Freund zu Kreuze kriechen und sich entschuldigen, schließlich hatte er unschuldige Leute bedroht und ihnen einen Mordsschrecken eingejagt. Ich hätte diesen Bekloppten am liebsten vor Gericht gezerrt, schließlich leben wir in einem Rechtsstaat, wo man nicht zur Selbstjustiz greifen kann. Außerdem war am PC die Festplatte kaputt. Ich meinte, wenigstens diese könne man ersetzt bekommen, aber meine Eltern waren dagegen. Sie wollten die Sache auf sich beruhen lassen.
Später durfte ich mir dann noch von meinen Freunden anhören, dass es bei mir nie langweilig wurde. Es sei immer was los. Auf solche Ereignisse kann ich aber getrost verzichten.
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