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Freitag, 23. Mai 2008
Von den Anfängen... Teil 7
susisdiary, 19:38h
Am nächsten Tag waren wir damit beschäftigt, die Geschenke für Leon einzupacken. Wir gaben uns die größte Mühe, auch wenn es dann ein wenig länger dauerte. Noch länger als das Einpacken zog sich aber das Stylen für den großen Anlass in die Länge. Bis ich meine Haare im Griff hatte, schien eine Ewigkeit zu dauern. Ständig störte eine lästige Strähne, was mir gehörig auf den Keks ging. Letztendlich ließ ich die Haare offen und steckte mir nur noch zwei Spangen an. Nun war mein Outfit perfekt. Ich trug trotz neuer Klamotten mein blaues Sommerkleid mit einer dünnen, weißen Bluse, die ich immer offen ließ. Die passenden Schuhe lagen auch schon bereit. Wäre die kleine Griechin aus dem letzten Urlaub vor Ort gewesen, hätte sie wahrscheinlich gemeint, ich sähe wieder aus wie Kate Winslett in „Titanic“. Na ja, wir wollen mal nicht übertreiben. Ich gefiel mir, und das war die Hauptsache.
Da klopfte es plötzlich, und Max trat ein. Er begutachtete mich und meinte: „Du siehst hübsch aus. Aber wieso bist du aufeinmal so groß?“
„Das könnte an dem Absatz meiner Schuhe liegen“, antwortete ich.
„Du bist doch sowieso schon fünf Zentimeter größer als ich. Musst du das aber jetzt noch mehr betonen?“, fragte er.
Ich sah ihn schief an. Wieso muss er wieder mit der leidigen Fünf-Zentimeter-Nummer anfangen?, dachte ich.
„Was?! Warum siehst du mich so komisch an?“, wollte Max wissen.
„Weil ich diese fünf Zentimeter mittlerweile Leid bin. Ich kann doch nichts dafür, dass ich nun mal ein Meter 74 groß bin und du nicht“, erklärte ich.
„Das weiß ich doch. Trotzdem“, sagte Max leicht gekränkt.
„Du hättest ja nicht rauchen müssen“, meinte ich schnippisch.
Noch bevor er darauf etwas erwidern konnte, hörten wir Jans Rufen. Es war Zeit, aufzubrechen. So gingen wir Vier vergnügt zum Geburtstag. Max` Ärger schien verraucht, und ich war froh, vorerst nicht weiter über die verflixten fünf Zentimeter nachdenken zu müssen.
Ich amüsierte mich prächtig. Besonders erfreut war ich darüber, dass Jan und Frank wie abgemacht sich zeitig auf den Heimweg machten. Da Leons Haus praktisch um die Ecke war, mussten wir uns auch keine Sorgen darüber machen, dass nicht etwas Unvorhergesehenes passierte. Nachdem sie nun weg waren, wich Florian nicht mehr von meiner Seite und textete mich zu. Anscheinend hatte er für seine unglaublichen Weisheiten kein anderes geeignetes Opfer gefunden und kaute mir das Ohr ab. Lustiger wurde es erst wieder, als sich Dennis zu uns gesellte.
Während ich mit den beiden viel Spaß hatte, geschah etwas, von dem ich erst viel später erfahren sollte. Max musste sich nämlich unbedingt Daniel und Leon zur Brust nehmen, um sicher zu gehen, dass sie ihre Finger von mir ließen. Eigentlich hatte es bis dato keinen einzigen Hinweis darauf gegeben, dass ein Interesse vorhanden gewesen wäre, und trotzdem sprach Max seine Drohung.
Doch diese Drohung schien ihr Ziel deutlich zu verfehlen. Wie jeder weiß, wird Verbotenes nur interessanter. Noch am selben Abend stand ich für einen kurzen Moment allein auf der Terrasse, da kam Leon plötzlich zu mir.
„Warum stehst du denn hier so alleine rum?“, fragte er.
„Ich brauche frische Luft, also nichts Besorgniserregendes“, antwortete ich gelassen.
Dann näherte er sich mir bis auf wenige Zentimeter, sah mir tief in die Augen und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht. Ich starrte ihn nur verwirrt an, weil ich nicht verstand, warum er mich aufeinmal mit einem so seltsamen Blick ansah. Außerdem war er mir entschieden zu nah.
Gerade als ich etwas sagen wollte, meinte Leon: „Weißt du eigentlich, dass du heute Abend die mit Abstand aufregendste Frau bist.“
„Ach, hier draußen seid ihr“, rief Daniel von der Terrassentür aus, „kommt doch wieder rein, schließlich wollen wir zusammen auf das Geburtstagskind anstoßen!“
So gingen wir wieder zu den anderen. Mir fiel Daniels verärgerter Gesichtsausdruck auf, nachdem er uns zwei alleine entdeckt hatte, doch ich dachte mir nichts dabei. Wir stießen freudig strahlend auf Leon an und feierten kräftig weiter. Irgendwann bemerkte ich, dass Gabriel von vier Mädchen regelrecht umzingelt war. Es hätte mich auch gewundert, wenn er keine Fans gefunden hätte, schließlich stahl er an diesem Abend jedem anderen die Show.
Als wir wieder zu Hause waren, fragte Max vor dem Zubettgehen: „Und? Hast du dich gut amüsiert?“
Ich nickte und lächelte geheimnisvoll.
Da klopfte es plötzlich, und Max trat ein. Er begutachtete mich und meinte: „Du siehst hübsch aus. Aber wieso bist du aufeinmal so groß?“
„Das könnte an dem Absatz meiner Schuhe liegen“, antwortete ich.
„Du bist doch sowieso schon fünf Zentimeter größer als ich. Musst du das aber jetzt noch mehr betonen?“, fragte er.
Ich sah ihn schief an. Wieso muss er wieder mit der leidigen Fünf-Zentimeter-Nummer anfangen?, dachte ich.
„Was?! Warum siehst du mich so komisch an?“, wollte Max wissen.
„Weil ich diese fünf Zentimeter mittlerweile Leid bin. Ich kann doch nichts dafür, dass ich nun mal ein Meter 74 groß bin und du nicht“, erklärte ich.
„Das weiß ich doch. Trotzdem“, sagte Max leicht gekränkt.
„Du hättest ja nicht rauchen müssen“, meinte ich schnippisch.
Noch bevor er darauf etwas erwidern konnte, hörten wir Jans Rufen. Es war Zeit, aufzubrechen. So gingen wir Vier vergnügt zum Geburtstag. Max` Ärger schien verraucht, und ich war froh, vorerst nicht weiter über die verflixten fünf Zentimeter nachdenken zu müssen.
Ich amüsierte mich prächtig. Besonders erfreut war ich darüber, dass Jan und Frank wie abgemacht sich zeitig auf den Heimweg machten. Da Leons Haus praktisch um die Ecke war, mussten wir uns auch keine Sorgen darüber machen, dass nicht etwas Unvorhergesehenes passierte. Nachdem sie nun weg waren, wich Florian nicht mehr von meiner Seite und textete mich zu. Anscheinend hatte er für seine unglaublichen Weisheiten kein anderes geeignetes Opfer gefunden und kaute mir das Ohr ab. Lustiger wurde es erst wieder, als sich Dennis zu uns gesellte.
Während ich mit den beiden viel Spaß hatte, geschah etwas, von dem ich erst viel später erfahren sollte. Max musste sich nämlich unbedingt Daniel und Leon zur Brust nehmen, um sicher zu gehen, dass sie ihre Finger von mir ließen. Eigentlich hatte es bis dato keinen einzigen Hinweis darauf gegeben, dass ein Interesse vorhanden gewesen wäre, und trotzdem sprach Max seine Drohung.
Doch diese Drohung schien ihr Ziel deutlich zu verfehlen. Wie jeder weiß, wird Verbotenes nur interessanter. Noch am selben Abend stand ich für einen kurzen Moment allein auf der Terrasse, da kam Leon plötzlich zu mir.
„Warum stehst du denn hier so alleine rum?“, fragte er.
„Ich brauche frische Luft, also nichts Besorgniserregendes“, antwortete ich gelassen.
Dann näherte er sich mir bis auf wenige Zentimeter, sah mir tief in die Augen und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht. Ich starrte ihn nur verwirrt an, weil ich nicht verstand, warum er mich aufeinmal mit einem so seltsamen Blick ansah. Außerdem war er mir entschieden zu nah.
Gerade als ich etwas sagen wollte, meinte Leon: „Weißt du eigentlich, dass du heute Abend die mit Abstand aufregendste Frau bist.“
„Ach, hier draußen seid ihr“, rief Daniel von der Terrassentür aus, „kommt doch wieder rein, schließlich wollen wir zusammen auf das Geburtstagskind anstoßen!“
So gingen wir wieder zu den anderen. Mir fiel Daniels verärgerter Gesichtsausdruck auf, nachdem er uns zwei alleine entdeckt hatte, doch ich dachte mir nichts dabei. Wir stießen freudig strahlend auf Leon an und feierten kräftig weiter. Irgendwann bemerkte ich, dass Gabriel von vier Mädchen regelrecht umzingelt war. Es hätte mich auch gewundert, wenn er keine Fans gefunden hätte, schließlich stahl er an diesem Abend jedem anderen die Show.
Als wir wieder zu Hause waren, fragte Max vor dem Zubettgehen: „Und? Hast du dich gut amüsiert?“
Ich nickte und lächelte geheimnisvoll.
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Donnerstag, 22. Mai 2008
Von den Anfängen... Teil 6
susisdiary, 18:09h
Endlich war es soweit; der große Tag war gekommen. Leons Geburtstag stand vor der Tür. Bereits ein Tag vor dem sehnsüchtig erwarteten Ereignis zerbrach ich mir den Kopf darüber, was ich bloß anziehen konnte. Ich hatte zwar mehr als genug Sachen für den Aufenthalt bei meiner Tante eingepackt, doch irgendwie meinte ich, es wäre nichts Passendes dabei. Glücklicherweise bot mir meine Tante an, zusammen mit ihr einkaufen zu gehen. Natürlich wollten Max, Jan und Frank uns begleiten, schließlich konnte man so etwas mit abstauben.
Ganze drei Stunden waren wir ohne Pause unterwegs. Ständig fiel meiner Tante noch ein weiterer Laden ein, in dem man sich das farbenprächtige Angebot ansehen konnte. Die drei Jungs waren ziemlich platt, aber meine Tante war erbarmungslos; sie nutzte die Chance der Stunde, um sämtliche Läden abzuklappern und sich mit schicken Stücken neu einzukleiden. Ihre zwei Jungs vergaß sie dabei natürlich nicht. Für die beiden wurden noch ein paar neue, teure Jeans und Shirts gekauft, wo ich mich langsam fragte, in welchen Schrank das ganze Zeug noch passen sollte. Die Schränke meiner beiden Cousins waren nämlich am Überquellen. Wie viel Geld in diesen drei Stunden ausgegeben wurde, möchte ich auch nicht unbedingt wissen; es muss ein riesiger Batzen gewesen sein. Immerhin wurde ich fündig und erstand das perfekte Outfit. Mein Bruder wurde nur bei einem Playstationspiel schwach, wo meine Cousins natürlich auch zuschlagen mussten. Es geht doch kein Einkauf, ohne dass man sich nicht ein neues Spiel kauft. Nicht wahr?
Nach diesen drei Stunden suchten wir ein passendes Lokal. Unsere Wahl fiel auf einen Italiener, der eine bezaubernde Sonnenterasse auf einem sonnendurchfluteten Platz sein Eigen nennen durfte. Wir nahmen an einem Tisch auf der Terrasse Platz und suchten uns was Leckeres zu essen aus. Während mein Bruder und Jan die üblichen Spaghetti Bolognese bestellten, hatte ich Heißhunger auf den Tipp des Tages: Es war ein vorzüglicher Meeresfisch in einer Safransoße mit Beilage. Meine Tante nahm dasselbe, und Max entschied sich für Garnelen.
Als meine Tante die Toilette aufsuchte, tauchte ein riesiger Kerl mit breiten Schultern auf, der sich sogleich unserem Tisch näherte. Ich wollte ihm keinerlei Beachtung schenken, aber nachdem sich Jans Augen vor Angst weiteten, wusste ich, dass ich den nicht ignorieren sollte.
Vorsichtig gab mir Max mit seiner Hand ein Zeichen, das mir verriet, bloß nicht den Mund aufzumachen. Ich war wegen des Zeichens irritiert. Was sollte das jetzt?
Leise fragte ich Jan: „Wer ist das denn?“
„Das ist nur Marvin, der größte Schlägertyp unserer Schule. Der hat mit uns noch eine Rechnung offen“, antwortete Jan so unauffällig wie möglich.
Bevor noch irgendjemand etwas sagen konnte, war Marvin an den Tisch heran getreten, hatte sich in seiner vollen Größe aufgebaut und sagte: „Das ist ja ein Zufall, dass ich euch zwei Wichte hier sehe. Na, wie sieht es aus, wer will mich bezahlen?“
Ich dachte, ich höre nicht richtig! Bezahlen? Der spinnt ja wohl!
So scharf wie möglich befehligte ich: „Lass uns gefälligst in Ruhe! Mit Idioten verkehren wir nicht! Also mach dich vom Acker, bevor ich ungemütlich werde!“
Max` Augen weiteten sich und seine Kinnlade fiel nach unten. Wahrscheinlich konnte er nicht glauben, was er da soeben vernommen hatte, und ich glaubte es selbst nicht. Warum hatte ich so was gesagt?
Mir blieb nicht viel Zeit zum Nachdenken, denn schon schrie Marvin empört: „Was mischst du blöde Ziege dich ein? Du hast damit nichts zu tun! Ich kassiere, von wem und weswegen ich will! Klar?“
„Gar nichts ist klar. Du gehst jetzt besser, oder es passiert noch was“, zischte ich.
„Du willst mir drohen? Ein Mädchen und mir drohen? Weißt du eigentlich, wer ich bin?“, brüllte Marvin.
Jan und Max zuckten zusammen. Die beiden mussten mich für verrückt halten, dass ich mich mit diesem Idioten anlegte. Bestimmt war ich das in diesem Moment auch, doch ich war so in Rage, dass ich nicht mehr aufhören konnte. Ich vertrage es nämlich überhaupt nicht, wenn jemand meiner Familie droht.
So sagte ich – seltsamerweise – seelenruhig: „Ist mir doch egal, wer du bist. Ich weiß nur, dass ein aggressiver, krimineller Vollidiot vor mir steht, der sich total daneben benimmt.“
Marvins Augen blitzten vor Zorn, Jan und Max waren zu Salzsäulen erstarrt. Spätestens jetzt mussten sie mich für total verrückt und lebensmüde halten. Frank saß auch angespannt in seinem Stuhl und beobachtete mich mit einem kritischen Blick, während ich mich langsam fragte, wo meine Tante so lange steckte. War sie ins Klo gefallen? Und warum kam kein Kellner vorbei, den ich um Hilfe bitten konnte? Wieso half uns kein Gast? Waren die alle taub und blind?
Wutschnaubend sah mir dieser Marvin ins Gesicht. Ich erwiderte seinen fiesen Blick und ließ mich weder beirren noch einschüchtern. Wahrscheinlich war es mein selbstsicheres Verhalten, das das Fass zum Überlaufen brachte. Voller Zorn schlug der Kerl plötzlich auf den Tisch, weshalb ich schlagartig von meinem Stuhl aufstand und mich vor dem Riesen aufbaute.
Wie ein Geisteskranker schrie Marvin: „Was fällt dir dämlichem Flittchen eigentlich ein? Max, pfeif sofort deinen roten Terrier zurück!“
Das Wort Flittchen war eindeutig zu viel. Damit war der Kerl zu weit gegangen. Ich schlug ihm dermaßen heftig ins Gesicht, das es nur so knallte. Vor Schreck und Erstaunen zuckten Jan, Max und Frank zusammen.
Kochend vor Wut rief ich: „Niemand beleidigt mich und meine Familie. Ist das klar? Wenn du weiteren Ärger vermeiden willst, hau endlich ab!“
„Das wird dir noch Leid tun! Niemand verpasst mir ohne weiteres eine Ohrfeige!“, brüllte Marvin und hielt sich seine glühende Backe.
„Du bekommst gleich noch eine, wenn du nicht augenblicklich weg bist“, drohte ich.
Das Wunder geschah. Wie ein gebeutelter Hund zog Marvin den Schwanz ein und verschwand. Max und Jan starrten mich ungläubig an. Es dauerte einen winzigen Moment, bis sie ihre Sprache wieder fanden.
Max war der Erste, der ein Wort an mich richtete: „Bist du übergeschnappt? Weißt du, was du angerichtet hast?“
„Und ob ich das weiß. Ich habe ihn in seine Schranken gewiesen“, antwortete ich und nahm wieder auf meinem Stuhl Platz.
„So kann man es auch ausdrücken“, meinte Frank grinsend.
Genau in diesem Moment tauchte meine Tante wieder auf. Schwungvoll nahm sie die wenigen Stufen, die zur Terrasse führten, und nahm freudig neben uns Platz.
Lachend sagte sie: „Also ihr glaubt gar nicht, was da drinnen los ist! Einen solchen Betrieb habe ich selten erlebt. Und dann war da noch vor der Damentoilette eine riesige Schlange. Irgendjemand muss hier draußen ganz schön geschrieen haben. Habe ich was verpasst?“
„Aber nein, Mama, hier draußen war gar nichts los. Das muss drinnen der Radio gewesen sein“, erklärte Max beschwichtigend.
Ganze drei Stunden waren wir ohne Pause unterwegs. Ständig fiel meiner Tante noch ein weiterer Laden ein, in dem man sich das farbenprächtige Angebot ansehen konnte. Die drei Jungs waren ziemlich platt, aber meine Tante war erbarmungslos; sie nutzte die Chance der Stunde, um sämtliche Läden abzuklappern und sich mit schicken Stücken neu einzukleiden. Ihre zwei Jungs vergaß sie dabei natürlich nicht. Für die beiden wurden noch ein paar neue, teure Jeans und Shirts gekauft, wo ich mich langsam fragte, in welchen Schrank das ganze Zeug noch passen sollte. Die Schränke meiner beiden Cousins waren nämlich am Überquellen. Wie viel Geld in diesen drei Stunden ausgegeben wurde, möchte ich auch nicht unbedingt wissen; es muss ein riesiger Batzen gewesen sein. Immerhin wurde ich fündig und erstand das perfekte Outfit. Mein Bruder wurde nur bei einem Playstationspiel schwach, wo meine Cousins natürlich auch zuschlagen mussten. Es geht doch kein Einkauf, ohne dass man sich nicht ein neues Spiel kauft. Nicht wahr?
Nach diesen drei Stunden suchten wir ein passendes Lokal. Unsere Wahl fiel auf einen Italiener, der eine bezaubernde Sonnenterasse auf einem sonnendurchfluteten Platz sein Eigen nennen durfte. Wir nahmen an einem Tisch auf der Terrasse Platz und suchten uns was Leckeres zu essen aus. Während mein Bruder und Jan die üblichen Spaghetti Bolognese bestellten, hatte ich Heißhunger auf den Tipp des Tages: Es war ein vorzüglicher Meeresfisch in einer Safransoße mit Beilage. Meine Tante nahm dasselbe, und Max entschied sich für Garnelen.
Als meine Tante die Toilette aufsuchte, tauchte ein riesiger Kerl mit breiten Schultern auf, der sich sogleich unserem Tisch näherte. Ich wollte ihm keinerlei Beachtung schenken, aber nachdem sich Jans Augen vor Angst weiteten, wusste ich, dass ich den nicht ignorieren sollte.
Vorsichtig gab mir Max mit seiner Hand ein Zeichen, das mir verriet, bloß nicht den Mund aufzumachen. Ich war wegen des Zeichens irritiert. Was sollte das jetzt?
Leise fragte ich Jan: „Wer ist das denn?“
„Das ist nur Marvin, der größte Schlägertyp unserer Schule. Der hat mit uns noch eine Rechnung offen“, antwortete Jan so unauffällig wie möglich.
Bevor noch irgendjemand etwas sagen konnte, war Marvin an den Tisch heran getreten, hatte sich in seiner vollen Größe aufgebaut und sagte: „Das ist ja ein Zufall, dass ich euch zwei Wichte hier sehe. Na, wie sieht es aus, wer will mich bezahlen?“
Ich dachte, ich höre nicht richtig! Bezahlen? Der spinnt ja wohl!
So scharf wie möglich befehligte ich: „Lass uns gefälligst in Ruhe! Mit Idioten verkehren wir nicht! Also mach dich vom Acker, bevor ich ungemütlich werde!“
Max` Augen weiteten sich und seine Kinnlade fiel nach unten. Wahrscheinlich konnte er nicht glauben, was er da soeben vernommen hatte, und ich glaubte es selbst nicht. Warum hatte ich so was gesagt?
Mir blieb nicht viel Zeit zum Nachdenken, denn schon schrie Marvin empört: „Was mischst du blöde Ziege dich ein? Du hast damit nichts zu tun! Ich kassiere, von wem und weswegen ich will! Klar?“
„Gar nichts ist klar. Du gehst jetzt besser, oder es passiert noch was“, zischte ich.
„Du willst mir drohen? Ein Mädchen und mir drohen? Weißt du eigentlich, wer ich bin?“, brüllte Marvin.
Jan und Max zuckten zusammen. Die beiden mussten mich für verrückt halten, dass ich mich mit diesem Idioten anlegte. Bestimmt war ich das in diesem Moment auch, doch ich war so in Rage, dass ich nicht mehr aufhören konnte. Ich vertrage es nämlich überhaupt nicht, wenn jemand meiner Familie droht.
So sagte ich – seltsamerweise – seelenruhig: „Ist mir doch egal, wer du bist. Ich weiß nur, dass ein aggressiver, krimineller Vollidiot vor mir steht, der sich total daneben benimmt.“
Marvins Augen blitzten vor Zorn, Jan und Max waren zu Salzsäulen erstarrt. Spätestens jetzt mussten sie mich für total verrückt und lebensmüde halten. Frank saß auch angespannt in seinem Stuhl und beobachtete mich mit einem kritischen Blick, während ich mich langsam fragte, wo meine Tante so lange steckte. War sie ins Klo gefallen? Und warum kam kein Kellner vorbei, den ich um Hilfe bitten konnte? Wieso half uns kein Gast? Waren die alle taub und blind?
Wutschnaubend sah mir dieser Marvin ins Gesicht. Ich erwiderte seinen fiesen Blick und ließ mich weder beirren noch einschüchtern. Wahrscheinlich war es mein selbstsicheres Verhalten, das das Fass zum Überlaufen brachte. Voller Zorn schlug der Kerl plötzlich auf den Tisch, weshalb ich schlagartig von meinem Stuhl aufstand und mich vor dem Riesen aufbaute.
Wie ein Geisteskranker schrie Marvin: „Was fällt dir dämlichem Flittchen eigentlich ein? Max, pfeif sofort deinen roten Terrier zurück!“
Das Wort Flittchen war eindeutig zu viel. Damit war der Kerl zu weit gegangen. Ich schlug ihm dermaßen heftig ins Gesicht, das es nur so knallte. Vor Schreck und Erstaunen zuckten Jan, Max und Frank zusammen.
Kochend vor Wut rief ich: „Niemand beleidigt mich und meine Familie. Ist das klar? Wenn du weiteren Ärger vermeiden willst, hau endlich ab!“
„Das wird dir noch Leid tun! Niemand verpasst mir ohne weiteres eine Ohrfeige!“, brüllte Marvin und hielt sich seine glühende Backe.
„Du bekommst gleich noch eine, wenn du nicht augenblicklich weg bist“, drohte ich.
Das Wunder geschah. Wie ein gebeutelter Hund zog Marvin den Schwanz ein und verschwand. Max und Jan starrten mich ungläubig an. Es dauerte einen winzigen Moment, bis sie ihre Sprache wieder fanden.
Max war der Erste, der ein Wort an mich richtete: „Bist du übergeschnappt? Weißt du, was du angerichtet hast?“
„Und ob ich das weiß. Ich habe ihn in seine Schranken gewiesen“, antwortete ich und nahm wieder auf meinem Stuhl Platz.
„So kann man es auch ausdrücken“, meinte Frank grinsend.
Genau in diesem Moment tauchte meine Tante wieder auf. Schwungvoll nahm sie die wenigen Stufen, die zur Terrasse führten, und nahm freudig neben uns Platz.
Lachend sagte sie: „Also ihr glaubt gar nicht, was da drinnen los ist! Einen solchen Betrieb habe ich selten erlebt. Und dann war da noch vor der Damentoilette eine riesige Schlange. Irgendjemand muss hier draußen ganz schön geschrieen haben. Habe ich was verpasst?“
„Aber nein, Mama, hier draußen war gar nichts los. Das muss drinnen der Radio gewesen sein“, erklärte Max beschwichtigend.
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Dienstag, 20. Mai 2008
Von den Anfängen... Teil 5
susisdiary, 22:53h
Die Sommerferien des Jahres 1999 begangen. Ich hatte die elfte Klasse erfolgreich hinter mir gelassen genau wie Leon, Dennis und Florian. Weniger erfolgreich waren Daniel und Max gewesen: Beide mussten ein Jahr wiederholen, Daniel die Elfte und Max die Zehnte. Allerdings konnte diese Tatsache uns nicht die Freude über die langen Ferien trüben. Ich fuhr zunächst mit meiner Familie in den wohlverdienten Urlaub. Nach unserer Rückkehr stand mein 17. Geburtstag an, der in kleinem Familienkreis gebührend gefeiert wurde.
Ein paar Tage nach meinem Geburtstag stand Leons 18. Geburtstag an, den wir natürlich in großer Runde begießen wollten. So kam es, dass mein Bruder und ich uns für ein paar Tage bei meiner Tante einquartierten.
Gleich am ersten Tag unserer Ankunft wurde es unterhaltsam. Frank und Jan bastelten an einem streng geheimen Projekt. Bis heute habe ich nicht herausgefunden, was die beiden damals im Keller gebaut haben. Wahrscheinlich war es ein großer Flop, ansonsten hätten sie uns das Ergebnis mit stolzgeschwellter Brust präsentiert.
Die beiden waren beschäftigt, also nutzten Max und ich die Gunst der Stunde und machten uns aus dem Staub. Wir wollten mit den anderen Eis essen, spazieren gehen und uns in aller Ruhe Vorschläge für Leons Feier unterbreiten, da zeigten sich die ersten Veränderungen, mit denen wir schlagartig konfrontiert wurden.
Wie abgemacht hatten Max und ich einen wunderschönen Platz auf der Terrasse des Eiscafés in Beschlag genommen. Es vergingen keine fünf Minuten, da kam Leon zu uns ins Café. Mir fiel auf, dass er sich ziemlich gestylt hatte, was für ihn eher ungewöhnlich war, zumindest wenn er sich nur mit uns traf. Sein Dress war nur absolut perfekt, wenn er ausging oder wenn ihn seine Eltern irgendwohin mitnahmen, wo entsprechende Garderobe erwünscht war.
Warum um alles in der Welt brezelt der sich so auf? Wir sind doch schließlich unter uns, dachte ich.
Max musste dasselbe denken, jedenfalls warf er mir einen vielsagenden Blick zu, der Bände sprach. Leon schien unsere kritischen Blicke nicht zu bemerken und setzte sich zu uns an den Tisch.
Mit einem gereizten Unterton fragte Max: „Für wen hast du dich denn so schick gemacht? Hast wohl noch was vor, oder?“
„Wenn du schon so direkt fragst: Ja, es stimmt, ich bin danach noch verabredet. Wir werden ja ohnehin nicht lange brauchen“, antwortete Leon genervt.
Was war das denn? Ich verstand Leons Reaktion nicht und sah ihm skeptisch in die grünen Augen, aber er wand seinen Blick kalt von mir, griff energisch nach der Karte, schlug diese auf und verschwand hinter den bebilderten Seiten. Nun war ich noch viel mehr verwundert, getraute mich aber nicht, nachzufragen, was denn genau los sei.
Um das Thema zu wechseln, fragte ich Max schleunigst: „Weißt du jetzt mittlerweile, warum Daniel vom Internat geflogen ist?“
„Nein, leider. Er schweigt beharrlich dazu, es sei denn, er hat den hier eingeweiht“, antwortete Max und sah sauer zu Leon hinüber, der weiter in der Karte blätterte.
Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass etwas passiert sein musste, von dem ich noch nichts wusste. In der momentanen Situation dachte ich, ich muss ja auch nicht alles wissen, und machte mir keine Gedanken. Ich hatte keine Lust, mir den Kopf über Leons Launenhaftigkeit zu zerbrechen. Inständig hoffte ich, dass Daniel endlich zusammen mit Dennis und Florian kommen würde, aber es tat sich nichts.
Wir verfielen in Schweigen, was ich als absolut grässlich empfand, und als ob es Max geahnt hätte, tat er etwas, um das peinliche Schweigen zu brechen. Ich wünschte, er hätte die Klappe gehalten, doch macht das mal einer Quasselstrippe klar.
Mitten ins Blaue hinein meinte er mit einem frechen Unterton: „Was war eigentlich noch mit dem Mädel am Samstagabend? Seid ihr euch noch einig geworden?“
In diesem Moment hätte ich am liebsten gegen Max` Schienbein getreten, doch leider war ein Tischbein im Weg. Er wusste genau, dass es gesünder war, Leon erst einmal in Ruhe zu lassen, wenn dieser schlechte Laune hatte. Aber nein, mein Cousin musste ja wieder herumstochern, um schlafende Hunde zu wecken.
Die Karte knallte auf den Tisch, so dass die Gruppe am Nebentisch heftig zusammenzuckte. Ich entschuldigte mich bei den Gästen und warf meinen beiden Jungs einen strengen Blick zu, den sie beide ignorierten.
Wie ein Peitschenschlag sauste Leons Antwort auf Max und mich hernieder: „Das geht dich einen Scheißdreck an, aber damit es dich beruhigt, sage ich dir, dass wir uns einig geworden sind. Willst du nun auch noch wissen, wie sie im Bett war?“
Sogleich zischte ich: „Ich würde noch lauter reden! Willst du, dass wir rausgeworfen werden? Es starren uns schon jetzt alle an!“
Eigentlich wollte ich ihn noch schärfer zurechtweisen. Wie hatte er sich nur so vergessen können? Aber genau in diesem Moment kamen Dennis und Florian an unseren Tisch. Erleichtert darüber, endlich eine entschärftere Situation vorzufinden, atmete ich hörbar auf. Wieder vergingen Minuten, in denen Leon sich hinter der Karte verschanzte und wir anderen vier munter plauderten.
Als aber eine halbe Stunde vergangen war, fragten wir uns, wo Daniel denn so lange bliebe, schließlich war es überhaupt nicht seine Art, zu spät zu kommen. Mittlerweile wurde der Kellner auch schon ungeduldig, weil wir mehr oder weniger den besten Platz auf der Terrasse blockierten, ohne etwas bestellt zu haben. Langsam wurde es auch mir peinlich, und ich fragte mich, wo denn Daniel nur steckte. Leon hatte inzwischen die Karte beiseite gelegt, warf dafür aber permanent einen Blick auf die Uhr, was mir total auf den Keks ging und was noch dazu unhöflich war.
Gerade als sich der Kellner wieder unserem Tisch nähern wollte, erschien Daniel endlich, aber er war nicht allein. Ihm folgte ein blondhaariger Typ in superschicken Klamotten, die Leons perfektes Outfit in den Schatten stellten. Mir blieb glatt die Spucke weg, als ich mir den Unbekannten näher ansah. Er hatte lange, dichte Wimpern, ein umwerfendes Lächeln, eine wahnsinnige Ausstrahlung und eine nicht zu verachtende Figur. Kurz gesagt: Ein echter Hingucker!
Lächelnd nahm Daniel an unserem Tisch Platz und wies den anderen stumm an, sich noch einen Stuhl zu nehmen und sich dazu zu setzen. Gespannt beobachtete ich jede einzelne Bewegung des Unbekannten und fragte mich, wer das wohl sei.
Dennis wollte etwas sagen, aber da kam ihm Daniel zuvor: „Entschuldigt vielmals, dass ich zu spät gekommen bin. Ich musste Gabriel noch abholen. Darf ich vorstellen? Das ist Gabriel, der mit mir die Zeit auf dem Internat totgeschlagen hat. Er ist mit seinen Eltern hierher gezogen. Ich dachte, ich nehme ihn kurzer Hand mit und stelle ihn euch vor.“
„Hallo. Es freut mich euch endlich kennen zu lernen, schließlich hat Daniel nur zwei Themen gehabt: Fußball und seine Freunde“, antwortete Gabriel.
Erst jetzt fiel mir auf, dass seine Augen zwei unterschiedliche Farben hatten. Das Eine war blau, das andere grün.
Jetzt konnte sich auch Dennis wieder einbringen: „Das ist ja echt ein Zufall, dass deine Eltern gerade hierher gezogen sind. Ich bin Dennis, das sind Florian, Max und Leon. Die reizende Dame, die dir gegenüber sitzt, ist unsere kleine Prinzessin Susi. Sie ist Max` Cousine.“
„Hallo! Ich hoffe, dir wird es hier gefallen“, sagte ich zurückhaltend.
„Trotzdem hättest du mal Bescheid geben können, dass es später wird. Wofür hast du denn dein Handy“, meinte Max beifällig.
Daniel zuckte nur mit den Schultern und entgegnete: „Sorry, hab ich ganz vergessen.“
„Ja klar! Vergessen! Wo du nur alle zwei Monate ein Neues hast!“, fügte Leon bissig hinzu.
Daniel verdrehte nur die Augen und sagte genervt: „Musst du wieder damit anfangen?“
„Es ist aber auch eine nervig, schließlich hast du auch permanent eine neue Nummer, weil es ja unbedingt Kartenhandys sein müssen“, fügte ich noch hinzu, „aber lasst uns doch über andere Dinge reden. Ihr beide kennt euch also vom Internat?“
So war nun schließlich auch Gabriel in unsere Kreise eingetreten. Ein weiterer Freund war hinzugekommen, allerdings war das zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar gewesen. Erst in den nächsten Wochen sollte mit ihm eine neue Freundschaft wachsen, doch bis dahin stand zunächst einmal Leons 18. Geburtstag auf dem Programm.
Ein paar Tage nach meinem Geburtstag stand Leons 18. Geburtstag an, den wir natürlich in großer Runde begießen wollten. So kam es, dass mein Bruder und ich uns für ein paar Tage bei meiner Tante einquartierten.
Gleich am ersten Tag unserer Ankunft wurde es unterhaltsam. Frank und Jan bastelten an einem streng geheimen Projekt. Bis heute habe ich nicht herausgefunden, was die beiden damals im Keller gebaut haben. Wahrscheinlich war es ein großer Flop, ansonsten hätten sie uns das Ergebnis mit stolzgeschwellter Brust präsentiert.
Die beiden waren beschäftigt, also nutzten Max und ich die Gunst der Stunde und machten uns aus dem Staub. Wir wollten mit den anderen Eis essen, spazieren gehen und uns in aller Ruhe Vorschläge für Leons Feier unterbreiten, da zeigten sich die ersten Veränderungen, mit denen wir schlagartig konfrontiert wurden.
Wie abgemacht hatten Max und ich einen wunderschönen Platz auf der Terrasse des Eiscafés in Beschlag genommen. Es vergingen keine fünf Minuten, da kam Leon zu uns ins Café. Mir fiel auf, dass er sich ziemlich gestylt hatte, was für ihn eher ungewöhnlich war, zumindest wenn er sich nur mit uns traf. Sein Dress war nur absolut perfekt, wenn er ausging oder wenn ihn seine Eltern irgendwohin mitnahmen, wo entsprechende Garderobe erwünscht war.
Warum um alles in der Welt brezelt der sich so auf? Wir sind doch schließlich unter uns, dachte ich.
Max musste dasselbe denken, jedenfalls warf er mir einen vielsagenden Blick zu, der Bände sprach. Leon schien unsere kritischen Blicke nicht zu bemerken und setzte sich zu uns an den Tisch.
Mit einem gereizten Unterton fragte Max: „Für wen hast du dich denn so schick gemacht? Hast wohl noch was vor, oder?“
„Wenn du schon so direkt fragst: Ja, es stimmt, ich bin danach noch verabredet. Wir werden ja ohnehin nicht lange brauchen“, antwortete Leon genervt.
Was war das denn? Ich verstand Leons Reaktion nicht und sah ihm skeptisch in die grünen Augen, aber er wand seinen Blick kalt von mir, griff energisch nach der Karte, schlug diese auf und verschwand hinter den bebilderten Seiten. Nun war ich noch viel mehr verwundert, getraute mich aber nicht, nachzufragen, was denn genau los sei.
Um das Thema zu wechseln, fragte ich Max schleunigst: „Weißt du jetzt mittlerweile, warum Daniel vom Internat geflogen ist?“
„Nein, leider. Er schweigt beharrlich dazu, es sei denn, er hat den hier eingeweiht“, antwortete Max und sah sauer zu Leon hinüber, der weiter in der Karte blätterte.
Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass etwas passiert sein musste, von dem ich noch nichts wusste. In der momentanen Situation dachte ich, ich muss ja auch nicht alles wissen, und machte mir keine Gedanken. Ich hatte keine Lust, mir den Kopf über Leons Launenhaftigkeit zu zerbrechen. Inständig hoffte ich, dass Daniel endlich zusammen mit Dennis und Florian kommen würde, aber es tat sich nichts.
Wir verfielen in Schweigen, was ich als absolut grässlich empfand, und als ob es Max geahnt hätte, tat er etwas, um das peinliche Schweigen zu brechen. Ich wünschte, er hätte die Klappe gehalten, doch macht das mal einer Quasselstrippe klar.
Mitten ins Blaue hinein meinte er mit einem frechen Unterton: „Was war eigentlich noch mit dem Mädel am Samstagabend? Seid ihr euch noch einig geworden?“
In diesem Moment hätte ich am liebsten gegen Max` Schienbein getreten, doch leider war ein Tischbein im Weg. Er wusste genau, dass es gesünder war, Leon erst einmal in Ruhe zu lassen, wenn dieser schlechte Laune hatte. Aber nein, mein Cousin musste ja wieder herumstochern, um schlafende Hunde zu wecken.
Die Karte knallte auf den Tisch, so dass die Gruppe am Nebentisch heftig zusammenzuckte. Ich entschuldigte mich bei den Gästen und warf meinen beiden Jungs einen strengen Blick zu, den sie beide ignorierten.
Wie ein Peitschenschlag sauste Leons Antwort auf Max und mich hernieder: „Das geht dich einen Scheißdreck an, aber damit es dich beruhigt, sage ich dir, dass wir uns einig geworden sind. Willst du nun auch noch wissen, wie sie im Bett war?“
Sogleich zischte ich: „Ich würde noch lauter reden! Willst du, dass wir rausgeworfen werden? Es starren uns schon jetzt alle an!“
Eigentlich wollte ich ihn noch schärfer zurechtweisen. Wie hatte er sich nur so vergessen können? Aber genau in diesem Moment kamen Dennis und Florian an unseren Tisch. Erleichtert darüber, endlich eine entschärftere Situation vorzufinden, atmete ich hörbar auf. Wieder vergingen Minuten, in denen Leon sich hinter der Karte verschanzte und wir anderen vier munter plauderten.
Als aber eine halbe Stunde vergangen war, fragten wir uns, wo Daniel denn so lange bliebe, schließlich war es überhaupt nicht seine Art, zu spät zu kommen. Mittlerweile wurde der Kellner auch schon ungeduldig, weil wir mehr oder weniger den besten Platz auf der Terrasse blockierten, ohne etwas bestellt zu haben. Langsam wurde es auch mir peinlich, und ich fragte mich, wo denn Daniel nur steckte. Leon hatte inzwischen die Karte beiseite gelegt, warf dafür aber permanent einen Blick auf die Uhr, was mir total auf den Keks ging und was noch dazu unhöflich war.
Gerade als sich der Kellner wieder unserem Tisch nähern wollte, erschien Daniel endlich, aber er war nicht allein. Ihm folgte ein blondhaariger Typ in superschicken Klamotten, die Leons perfektes Outfit in den Schatten stellten. Mir blieb glatt die Spucke weg, als ich mir den Unbekannten näher ansah. Er hatte lange, dichte Wimpern, ein umwerfendes Lächeln, eine wahnsinnige Ausstrahlung und eine nicht zu verachtende Figur. Kurz gesagt: Ein echter Hingucker!
Lächelnd nahm Daniel an unserem Tisch Platz und wies den anderen stumm an, sich noch einen Stuhl zu nehmen und sich dazu zu setzen. Gespannt beobachtete ich jede einzelne Bewegung des Unbekannten und fragte mich, wer das wohl sei.
Dennis wollte etwas sagen, aber da kam ihm Daniel zuvor: „Entschuldigt vielmals, dass ich zu spät gekommen bin. Ich musste Gabriel noch abholen. Darf ich vorstellen? Das ist Gabriel, der mit mir die Zeit auf dem Internat totgeschlagen hat. Er ist mit seinen Eltern hierher gezogen. Ich dachte, ich nehme ihn kurzer Hand mit und stelle ihn euch vor.“
„Hallo. Es freut mich euch endlich kennen zu lernen, schließlich hat Daniel nur zwei Themen gehabt: Fußball und seine Freunde“, antwortete Gabriel.
Erst jetzt fiel mir auf, dass seine Augen zwei unterschiedliche Farben hatten. Das Eine war blau, das andere grün.
Jetzt konnte sich auch Dennis wieder einbringen: „Das ist ja echt ein Zufall, dass deine Eltern gerade hierher gezogen sind. Ich bin Dennis, das sind Florian, Max und Leon. Die reizende Dame, die dir gegenüber sitzt, ist unsere kleine Prinzessin Susi. Sie ist Max` Cousine.“
„Hallo! Ich hoffe, dir wird es hier gefallen“, sagte ich zurückhaltend.
„Trotzdem hättest du mal Bescheid geben können, dass es später wird. Wofür hast du denn dein Handy“, meinte Max beifällig.
Daniel zuckte nur mit den Schultern und entgegnete: „Sorry, hab ich ganz vergessen.“
„Ja klar! Vergessen! Wo du nur alle zwei Monate ein Neues hast!“, fügte Leon bissig hinzu.
Daniel verdrehte nur die Augen und sagte genervt: „Musst du wieder damit anfangen?“
„Es ist aber auch eine nervig, schließlich hast du auch permanent eine neue Nummer, weil es ja unbedingt Kartenhandys sein müssen“, fügte ich noch hinzu, „aber lasst uns doch über andere Dinge reden. Ihr beide kennt euch also vom Internat?“
So war nun schließlich auch Gabriel in unsere Kreise eingetreten. Ein weiterer Freund war hinzugekommen, allerdings war das zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar gewesen. Erst in den nächsten Wochen sollte mit ihm eine neue Freundschaft wachsen, doch bis dahin stand zunächst einmal Leons 18. Geburtstag auf dem Programm.
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Montag, 19. Mai 2008
Von den Anfängen... Teil 4
susisdiary, 20:27h
Der nächste Tag brach an. Es war noch heißer geworden, und ich fragte mich, wie ich das morgen in der Schule aushalten sollte. Ich hatte keine Lust, heute Abend wieder nach Hause zu fahren, daheim meine Sachen für die Schule zu packen und morgen bei Sommerhitze im brühwarmen Klassenzimmer zu sitzen. An den morgigen Unterricht wollte ich erst recht nicht denken! Warum musste denn noch eine Woche Unterricht sein, wo sowieso schon alles vorbei war?
Die Morgenstunden zogen sich schleppend dahin. Max, Jan, Frank und ich spielten nach dem Frühstück ein paar Computerspiele. Ich drückte irgendwelche Knöpfe, weil meine Gedanken ganz woanders waren. Immer wieder kreisten meine Gedanken um Daniel. Ich war bis in die Haarspitzen angespannt und platzte fast vor Neugier, was ich jedoch nie zugeben wollte. Im Gegensatz zu mir konzentrierten sich die Jungs völlig auf das Spiel und waren seltsamerweise nicht erfolgreich. Ich schlug sie alle, obwohl ich gar nicht aufpasste. Welch niederschmetterndes Ergebnis! Besiegt von einem Mädchen! Das kann doch nicht sein!
Nach dem Mittagessen machten wir es uns im Garten auf einer Decke gemütlich, wo wir Monopoly spielten. Eigentlich war ich gegen dieses Spiel gewesen, weil es hier um Geld ging. Bei solchen Spielen konnte mein kleiner Bruder absolut nicht verlieren, und er fing immer gleich zu heulen an, wenn er sich mal wieder verspekuliert hatte. Es war wie immer das Gleiche: Mein Bruder und Jan waren am verlieren, also drückte mein Bruder auf die Tränendrüse. Max und ich ließen uns erweichen und änderten daraufhin die Spielregeln. Es gab Kredit, der nicht zurückgezahlt werden muss, und die Welt war wieder in Ordnung.
Als die Uhr viertel nach drei anzeigte und mein Onkel mit meiner Tante spazieren war, fragte Max: „Wann kommt der Depp den endlich? Der soll jetzt gefälligst beikommen, schließlich seid ihr auch nicht mehr ewig da.“
„Dann hat er eben Pech gehabt, wenn wir schon weg sind. Wollen wir noch weiter spielen?“, entgegnete ich und sah Max gelangweilt an.
Mein Cousin erwiderte meinen Blick und beobachtete unsere Kleinen, die mit dem Spielgeld eifrig scherzten. Auch ich sah ihnen zu.
In diesem Moment fiel mir auf, wie warm mir plötzlich war, weshalb ich meinte: „Sagt mal, ist euch auch so heiß?“
„Ich kann ja was zur Abkühlung holen. Eis ist doch ok? Frank nimmt Schoko, Jan du doch bestimmt auch. Was möchtest du, Susi?“, erkundigte sich Max.
„Oh ja! Schokoeis!“, riefen Jan und Frank gleichzeitig aus.
„Warte, ich komme mit“, antwortete ich.
So gingen wir hinein Richtung Vorratskammer, wo die große Tiefkühltruhe stand und auf uns wartete. Das Eis war schnell gefunden: Schokoeis für die Kleinen, Vanilleeis für die Großen. Während Max alle vier Tüten mit nach draußen nahm, suchte ich ein Badezimmer auf. Es klingelte an der Haustür, als ich mir kaltes Wasser ins Gesicht spritzte. Meine Eltern konnten das unmöglich sein, also musste Daniel vor der Tür stehen.
Ich war mir ziemlich sicher, dass Max die Tür öffnete, und ließ mir deshalb ein wenig mehr Zeit. Nervös verließ ich das Bad und ging auf die Terrasse, wo ich Max mit dem Gast vermutete. Mein Gefühl täuschte mich nicht. Auf der Terrasse stand Max freudig strahlend neben einem blondhaarigen Jungen, der mit dem Rücken zur Terrassentür und somit auch zu mir stand. Verblüfft stellte ich fest, dass dieser Junge, der nur Daniel sein konnte, meinen Cousin ein ganzes Stück überragte. Daniel war zwar immer ein wenig größer als Max gewesen, aber waren es denn so viele Zentimeter gewesen? Unsicher wanderte mein Blick über den einen zum anderen und wieder zurück.
Mittlerweile hatte mich Max aus dem Augenwinkel erkannt und rief munter aus: „Wenn du dich jetzt umdrehst, siehst du unsere Prinzessin wieder, die auch schon sehnsüchtig auf dich gewartet hat!“
Langsam drehte sich Daniel zu mir um. Mir war, als vergingen Minuten, bis ich das vertraute und zugleich auch fremde Gesicht erblickte. Wenige Sekunden verstrichen, in denen Daniel und ich uns nur ansahen. Das war der Freund, auf den ich gewartet hatte? Ich wollte es nicht glauben. Dieser Kerl mit den leuchtenden, himmelblauen Augen mit einem verschmitzten Lächeln in topmodischem Dress sollte Daniel sein? Niemals! Doch bevor ich es noch länger bezweifeln konnte, riss sich Daniel plötzlich aus seiner Versteinerung los, eilte auf mich zu und nahm mich herzlich in seine Arme.
Leise flüsterte er in mein Ohr: „Endlich sehen wir uns wieder! Du hast mir so gefehlt! Wie habe ich es nur ein Jahr ohne euch kaputten Haufen ausgehalten?“
Innerlich zuckte ich zusammen. Das war nicht die vertraute Stimme, die zu meinem Freund gehörte. Nicht nur sein Outfit sondern auch seine Stimme hatte sich in diesem Jahr grundlegend verändert. Noch bevor ich etwas sagen konnte, löste er seine Arme und sah mich von oben bis unten an. Sein Blick blieb an meinen Haaren hängen.
Sogleich fragte er: „Du hast dir deine langen Haare rot gefärbt?“
„Ja, mit Henna“, antwortete ich knapp.
„Das sieht echt verdammt gut aus! Davon hast du mir ja gar nichts erzählt, Max. Wieso verheimlichst du das denn?“, sagte Daniel und wand sich wieder Max zu.
Etwas später waren wir alle wiedervereint: Dennis, Leon und Florian waren gekommen, um mit uns die Rückkehr zu feiern. Wir sechs Großen waren wieder vollzählig. Endlich!
Am selben Abend fuhren Frank und ich wieder nach Hause. Während mein Bruder nur davon sprach, dass alles wieder beim Alten war, dachte ich über das Wiedersehen nach. Irgendwie hatte ich ein anderes Gefühl als mein kleiner Bruder. Es wird nie wieder wie beim Alten sein, dachte ich, sprach es jedoch nicht aus. Etwas war anders, doch ich konnte nicht fassen, was es war. Es war nicht nur Daniels Erscheinen und seine Stimme gewesen, die sich verändert hatten. Wir anderen hatten uns ebenso verändert, auch wenn wir es an diesem Tag nicht hatten wahrhaben wollen.
Die Morgenstunden zogen sich schleppend dahin. Max, Jan, Frank und ich spielten nach dem Frühstück ein paar Computerspiele. Ich drückte irgendwelche Knöpfe, weil meine Gedanken ganz woanders waren. Immer wieder kreisten meine Gedanken um Daniel. Ich war bis in die Haarspitzen angespannt und platzte fast vor Neugier, was ich jedoch nie zugeben wollte. Im Gegensatz zu mir konzentrierten sich die Jungs völlig auf das Spiel und waren seltsamerweise nicht erfolgreich. Ich schlug sie alle, obwohl ich gar nicht aufpasste. Welch niederschmetterndes Ergebnis! Besiegt von einem Mädchen! Das kann doch nicht sein!
Nach dem Mittagessen machten wir es uns im Garten auf einer Decke gemütlich, wo wir Monopoly spielten. Eigentlich war ich gegen dieses Spiel gewesen, weil es hier um Geld ging. Bei solchen Spielen konnte mein kleiner Bruder absolut nicht verlieren, und er fing immer gleich zu heulen an, wenn er sich mal wieder verspekuliert hatte. Es war wie immer das Gleiche: Mein Bruder und Jan waren am verlieren, also drückte mein Bruder auf die Tränendrüse. Max und ich ließen uns erweichen und änderten daraufhin die Spielregeln. Es gab Kredit, der nicht zurückgezahlt werden muss, und die Welt war wieder in Ordnung.
Als die Uhr viertel nach drei anzeigte und mein Onkel mit meiner Tante spazieren war, fragte Max: „Wann kommt der Depp den endlich? Der soll jetzt gefälligst beikommen, schließlich seid ihr auch nicht mehr ewig da.“
„Dann hat er eben Pech gehabt, wenn wir schon weg sind. Wollen wir noch weiter spielen?“, entgegnete ich und sah Max gelangweilt an.
Mein Cousin erwiderte meinen Blick und beobachtete unsere Kleinen, die mit dem Spielgeld eifrig scherzten. Auch ich sah ihnen zu.
In diesem Moment fiel mir auf, wie warm mir plötzlich war, weshalb ich meinte: „Sagt mal, ist euch auch so heiß?“
„Ich kann ja was zur Abkühlung holen. Eis ist doch ok? Frank nimmt Schoko, Jan du doch bestimmt auch. Was möchtest du, Susi?“, erkundigte sich Max.
„Oh ja! Schokoeis!“, riefen Jan und Frank gleichzeitig aus.
„Warte, ich komme mit“, antwortete ich.
So gingen wir hinein Richtung Vorratskammer, wo die große Tiefkühltruhe stand und auf uns wartete. Das Eis war schnell gefunden: Schokoeis für die Kleinen, Vanilleeis für die Großen. Während Max alle vier Tüten mit nach draußen nahm, suchte ich ein Badezimmer auf. Es klingelte an der Haustür, als ich mir kaltes Wasser ins Gesicht spritzte. Meine Eltern konnten das unmöglich sein, also musste Daniel vor der Tür stehen.
Ich war mir ziemlich sicher, dass Max die Tür öffnete, und ließ mir deshalb ein wenig mehr Zeit. Nervös verließ ich das Bad und ging auf die Terrasse, wo ich Max mit dem Gast vermutete. Mein Gefühl täuschte mich nicht. Auf der Terrasse stand Max freudig strahlend neben einem blondhaarigen Jungen, der mit dem Rücken zur Terrassentür und somit auch zu mir stand. Verblüfft stellte ich fest, dass dieser Junge, der nur Daniel sein konnte, meinen Cousin ein ganzes Stück überragte. Daniel war zwar immer ein wenig größer als Max gewesen, aber waren es denn so viele Zentimeter gewesen? Unsicher wanderte mein Blick über den einen zum anderen und wieder zurück.
Mittlerweile hatte mich Max aus dem Augenwinkel erkannt und rief munter aus: „Wenn du dich jetzt umdrehst, siehst du unsere Prinzessin wieder, die auch schon sehnsüchtig auf dich gewartet hat!“
Langsam drehte sich Daniel zu mir um. Mir war, als vergingen Minuten, bis ich das vertraute und zugleich auch fremde Gesicht erblickte. Wenige Sekunden verstrichen, in denen Daniel und ich uns nur ansahen. Das war der Freund, auf den ich gewartet hatte? Ich wollte es nicht glauben. Dieser Kerl mit den leuchtenden, himmelblauen Augen mit einem verschmitzten Lächeln in topmodischem Dress sollte Daniel sein? Niemals! Doch bevor ich es noch länger bezweifeln konnte, riss sich Daniel plötzlich aus seiner Versteinerung los, eilte auf mich zu und nahm mich herzlich in seine Arme.
Leise flüsterte er in mein Ohr: „Endlich sehen wir uns wieder! Du hast mir so gefehlt! Wie habe ich es nur ein Jahr ohne euch kaputten Haufen ausgehalten?“
Innerlich zuckte ich zusammen. Das war nicht die vertraute Stimme, die zu meinem Freund gehörte. Nicht nur sein Outfit sondern auch seine Stimme hatte sich in diesem Jahr grundlegend verändert. Noch bevor ich etwas sagen konnte, löste er seine Arme und sah mich von oben bis unten an. Sein Blick blieb an meinen Haaren hängen.
Sogleich fragte er: „Du hast dir deine langen Haare rot gefärbt?“
„Ja, mit Henna“, antwortete ich knapp.
„Das sieht echt verdammt gut aus! Davon hast du mir ja gar nichts erzählt, Max. Wieso verheimlichst du das denn?“, sagte Daniel und wand sich wieder Max zu.
Etwas später waren wir alle wiedervereint: Dennis, Leon und Florian waren gekommen, um mit uns die Rückkehr zu feiern. Wir sechs Großen waren wieder vollzählig. Endlich!
Am selben Abend fuhren Frank und ich wieder nach Hause. Während mein Bruder nur davon sprach, dass alles wieder beim Alten war, dachte ich über das Wiedersehen nach. Irgendwie hatte ich ein anderes Gefühl als mein kleiner Bruder. Es wird nie wieder wie beim Alten sein, dachte ich, sprach es jedoch nicht aus. Etwas war anders, doch ich konnte nicht fassen, was es war. Es war nicht nur Daniels Erscheinen und seine Stimme gewesen, die sich verändert hatten. Wir anderen hatten uns ebenso verändert, auch wenn wir es an diesem Tag nicht hatten wahrhaben wollen.
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Sonntag, 18. Mai 2008
Von den Anfängen... Teil 3
susisdiary, 20:36h
Max zuckte zusammen und sah wieder zu Boden. Warum machte Florian das? Warum ließ er seinen Freund nicht endlich in Ruhe? Irgendwann kann man es ja auch mal gut sein lassen, oder etwa nicht? Muss man ständig in anderer Leute Wunden herumstochern? Ich denke nicht.
Dennis legte plötzlich seine Stirn in Falten und sagte zu meinem Bruder gewandt: „Frank, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.“
Ich zog meine Augenbraue nach oben. Was sollte das jetzt heißen?
Bevor ich allerdings nachfragen konnte, was Dennis damit meinte, wollte Florian wissen: „Was willst du uns jetzt damit sagen?“
„Dass an der Sache was komisch ist. Wie kann ein Schüler, der nur Einser und Zweier einheimst, denn plötzlich sitzen bleiben? Ist doch irgendwie merkwürdig, oder? Also hat unser Kleiner hier Recht: Er hat es dort nicht ausgehalten“, erklärte Dennis mit gedankenverlorenem Blick.
„Da ist was Wahres dran. Ich kann mich nur gar nicht mehr daran erinnern, dass es ihm auf dem Internat nicht gefiel“, entgegnete ich.
„So direkt hat er das auch nie gesagt, jedenfalls nicht bei mir. Vielleicht hat er mit Leon darüber geredet“, vermutete Max, der nun auch angestrengt nachdachte.
Während die Jungs sich von diesem Augenblick an zu wilden Spekulationen hinreißen ließen, hing ich meinen eigenen Gedanken nach: Es war fast ein Jahr her, als ich Daniel das letzte Mal gesehen hatte. Ein Jahr lang hatte ich auf meinen gleichmütigen Verbündeten verzichten müssen, ein Jahr lang hatten wir alle ohne ihn auskommen müssen. Er hat uns wirklich sehr gefehlt, was wir erst nicht hatten wahrhaben wollen.
Das Leben geht schon seltsame Wege, wenn du einen stillen, verzogenen Streber vermisst, der auch noch Kind wohlhabender Eltern ist, aber so ist das nun einmal bei engen Freunden. Und Daniel war so ein enger Freund.
Seit ich denken kann, war er zusammen mit Leon immer bei meiner Tante gewesen. Da Daniels und auch Leons Eltern gute Freunde meiner Tante waren und beide Jungen mein Alter hatten, war es unvermeidbar gewesen, sie nicht kennen zu lernen. Eine weitere interessante Irrung des Lebens, wie sie manchmal zu finden ist.
Früher war ich froh gewesen, Daniel um mich herum zu haben, weil er eigentlich genau so introvertiert war wie ich und deshalb ein angenehmer Ausgleich zu meinem vorlauten Cousin Max und dessen frechen Freund Leon, der so schaurig finster gucken konnte. Da war Daniels strahlendes Gesicht gerne anzuschauen, auch wenn er immer so schrecklich schüchtern war.
Diese Schüchternheit konnte er als Kleinkind nur im Spiel besiegen, wo es immer hochdramatisch zuging. Meist dachte ich mir eine tragisch-fantastische Handlung aus, die von etlichen Trickfilmen, Märchen oder anderen Filmen inspiriert waren, während sich Max, Leon und Daniel um die Heldenrolle prügelten. Max zog bei diesen Auseinandersetzungen eigentlich immer den Kürzeren, schließlich gibt es keine kleinen Helden, so zumindest die Aussage von Leon. Da Leon aber allzu häufig den düsteren Blick aufsetzte, war er als Held auch ungeeignet, schließlich dürfen die Helden nicht mit den Bösewichtern verwechselt werden. So kam es bei diesen Spielen zu folgender Aufteilung: Ich war die heißumkämpfte Prinzessin, die vor dem Schurken Leon von Held Daniel gerettet werden sollte. Max kam dabei die ungeliebte Rolle des einfachen oder magischen Helfers zuteil; eine Rolle, die er sein Leben lang hassen wird.
So war es zumindest früher gewesen. Heute sah die Sache anders aus: Die alten Spiele waren vergessen, eine neue Zeit war angebrochen. Wir vier blieben von der Pubertät nicht verschont, weshalb sich einige Dinge grundlegend änderten. Mein Cousin Max spürte genau die Blicke seiner Freunde, die mir galten, aber ich gab nichts darauf ganz im Gegensatz zu Max. Für mich waren sie nur Freunde, mit denen ich Freud und Leid teilte. Natürlich hatte ich sie alle gern, jedoch nicht so gern, dass ich es bei einem als Liebe bezeichnen wollte. Während ich mich sorglos verhielt, markierte Max den strengen Aufpasser. Er verhielt sich immer mehr wie ein großer Bruder und klopfte seinen Freunden auf die Finger, wenn es ihm zu weit ging, obwohl jegliche Situation absolut harmlos war. Warum ich das alles viel zu leicht nahm, kann ich mir heute nicht erklären.
Die Jungs diskutierten hin und her. Ich hielt mich aus dem Gespräch heraus und fragte mich, ob sich Daniel in diesem Jahr wohl verändert haben mochte. Daniel und verändert? Ein Widerspruch für sich! Schnell verwarf ich diesen Gedanken wieder und widmete mich der Tatsache, warum er vom Internat geflogen und sitzen geblieben war. Es war für mich unbegreiflich, dass ein als Streber geltender, schlauer Junge einfach so von der Schule fliegen konnte und ein Jahr wiederholen musste. Was war da nur passiert? Ich grübelte und grübelte, konnte aber keine mir logisch erscheinende Antwort finden, was bei der Hitze allerdings auch schlecht möglich war.
Mein Kopf qualmte, als ich schließlich Dennis` Stimme vernahm: „Es ist doch eigentlich egal, was da vorgefallen ist, solange er nur heim kommt!“
„Genau“, hörte ich mich sagen, „freuen wir uns lieber auf morgen und feiern mit ihm seine Heimkehr!“
Dennis legte plötzlich seine Stirn in Falten und sagte zu meinem Bruder gewandt: „Frank, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.“
Ich zog meine Augenbraue nach oben. Was sollte das jetzt heißen?
Bevor ich allerdings nachfragen konnte, was Dennis damit meinte, wollte Florian wissen: „Was willst du uns jetzt damit sagen?“
„Dass an der Sache was komisch ist. Wie kann ein Schüler, der nur Einser und Zweier einheimst, denn plötzlich sitzen bleiben? Ist doch irgendwie merkwürdig, oder? Also hat unser Kleiner hier Recht: Er hat es dort nicht ausgehalten“, erklärte Dennis mit gedankenverlorenem Blick.
„Da ist was Wahres dran. Ich kann mich nur gar nicht mehr daran erinnern, dass es ihm auf dem Internat nicht gefiel“, entgegnete ich.
„So direkt hat er das auch nie gesagt, jedenfalls nicht bei mir. Vielleicht hat er mit Leon darüber geredet“, vermutete Max, der nun auch angestrengt nachdachte.
Während die Jungs sich von diesem Augenblick an zu wilden Spekulationen hinreißen ließen, hing ich meinen eigenen Gedanken nach: Es war fast ein Jahr her, als ich Daniel das letzte Mal gesehen hatte. Ein Jahr lang hatte ich auf meinen gleichmütigen Verbündeten verzichten müssen, ein Jahr lang hatten wir alle ohne ihn auskommen müssen. Er hat uns wirklich sehr gefehlt, was wir erst nicht hatten wahrhaben wollen.
Das Leben geht schon seltsame Wege, wenn du einen stillen, verzogenen Streber vermisst, der auch noch Kind wohlhabender Eltern ist, aber so ist das nun einmal bei engen Freunden. Und Daniel war so ein enger Freund.
Seit ich denken kann, war er zusammen mit Leon immer bei meiner Tante gewesen. Da Daniels und auch Leons Eltern gute Freunde meiner Tante waren und beide Jungen mein Alter hatten, war es unvermeidbar gewesen, sie nicht kennen zu lernen. Eine weitere interessante Irrung des Lebens, wie sie manchmal zu finden ist.
Früher war ich froh gewesen, Daniel um mich herum zu haben, weil er eigentlich genau so introvertiert war wie ich und deshalb ein angenehmer Ausgleich zu meinem vorlauten Cousin Max und dessen frechen Freund Leon, der so schaurig finster gucken konnte. Da war Daniels strahlendes Gesicht gerne anzuschauen, auch wenn er immer so schrecklich schüchtern war.
Diese Schüchternheit konnte er als Kleinkind nur im Spiel besiegen, wo es immer hochdramatisch zuging. Meist dachte ich mir eine tragisch-fantastische Handlung aus, die von etlichen Trickfilmen, Märchen oder anderen Filmen inspiriert waren, während sich Max, Leon und Daniel um die Heldenrolle prügelten. Max zog bei diesen Auseinandersetzungen eigentlich immer den Kürzeren, schließlich gibt es keine kleinen Helden, so zumindest die Aussage von Leon. Da Leon aber allzu häufig den düsteren Blick aufsetzte, war er als Held auch ungeeignet, schließlich dürfen die Helden nicht mit den Bösewichtern verwechselt werden. So kam es bei diesen Spielen zu folgender Aufteilung: Ich war die heißumkämpfte Prinzessin, die vor dem Schurken Leon von Held Daniel gerettet werden sollte. Max kam dabei die ungeliebte Rolle des einfachen oder magischen Helfers zuteil; eine Rolle, die er sein Leben lang hassen wird.
So war es zumindest früher gewesen. Heute sah die Sache anders aus: Die alten Spiele waren vergessen, eine neue Zeit war angebrochen. Wir vier blieben von der Pubertät nicht verschont, weshalb sich einige Dinge grundlegend änderten. Mein Cousin Max spürte genau die Blicke seiner Freunde, die mir galten, aber ich gab nichts darauf ganz im Gegensatz zu Max. Für mich waren sie nur Freunde, mit denen ich Freud und Leid teilte. Natürlich hatte ich sie alle gern, jedoch nicht so gern, dass ich es bei einem als Liebe bezeichnen wollte. Während ich mich sorglos verhielt, markierte Max den strengen Aufpasser. Er verhielt sich immer mehr wie ein großer Bruder und klopfte seinen Freunden auf die Finger, wenn es ihm zu weit ging, obwohl jegliche Situation absolut harmlos war. Warum ich das alles viel zu leicht nahm, kann ich mir heute nicht erklären.
Die Jungs diskutierten hin und her. Ich hielt mich aus dem Gespräch heraus und fragte mich, ob sich Daniel in diesem Jahr wohl verändert haben mochte. Daniel und verändert? Ein Widerspruch für sich! Schnell verwarf ich diesen Gedanken wieder und widmete mich der Tatsache, warum er vom Internat geflogen und sitzen geblieben war. Es war für mich unbegreiflich, dass ein als Streber geltender, schlauer Junge einfach so von der Schule fliegen konnte und ein Jahr wiederholen musste. Was war da nur passiert? Ich grübelte und grübelte, konnte aber keine mir logisch erscheinende Antwort finden, was bei der Hitze allerdings auch schlecht möglich war.
Mein Kopf qualmte, als ich schließlich Dennis` Stimme vernahm: „Es ist doch eigentlich egal, was da vorgefallen ist, solange er nur heim kommt!“
„Genau“, hörte ich mich sagen, „freuen wir uns lieber auf morgen und feiern mit ihm seine Heimkehr!“
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Dienstag, 13. Mai 2008
Von den Anfängen... Teil 2
susisdiary, 14:48h
Um die Stille zu brechen, fragte ich: „Ja und? Was hat er geschafft?“
„Was wohl?! Er ist endlich von seinem blöden Internat geflogen! Er kommt wieder zurück!“, rief Dennis freudig aus.
Für einen winzigen Moment war es totenstill. Das Eis schmolz langsam in der Sommerhitze dahin, während ich die linke Augenbraue nach oben zog und Dennis kritisch beäugte. Jan dagegen saß mit großen Augen und offenem Mund da. Ihm war vor Verblüffung doch tatsächlich die Kinnlade hinunter gefallen!
„Aber das ist noch nicht alles. Daniel ist schon morgen Nachmittag wieder da!“, fügte Florian noch hinzu, lehnte sich zufrieden in seinem Stuhl zurück und ließ seinen Blick wieder über meinen Ausschnitt schweifen.
Ich tolerierte es und hakte stattdessen nach: „So plötzlich? Wir haben immerhin noch eine Woche Schule, bis die Sommerferien beginnen.“
„Das stimmt schon, aber er hält es im Internat einfach nicht mehr aus. Er muss seine Eltern solange genervt haben, dass sie ihn schon früher heruntergenommen haben. Stellt euch vor, ab nächstem Schuljahr ist er wieder bei uns! Dann sind wir alle wieder beisammen, und es ist wieder beim Alten!“, freute sich Dennis.
Doch Florian musste wieder einmal austeilen: „So ganz beim Alten ist es nicht, schließlich wird Max sitzen bleiben. Folglich ist er nach den Ferien nicht mehr in unserer Stufe.“
Beschämt sah Max zu Boden. Ihm war es peinlich, dass er sitzen blieb. Mich störte es nicht, aber ihn nahm es ziemlich mit. Seine Mutter, also meine Tante, war nicht gerade begeistert davon, es passte nicht in ihr Bild von einem Sohn aus gutem Hause. Genauso verhielt es sich bei ihr mit der Tatsache, dass ihr jüngster Sohn Jan eine Realschule besuchte. Für sie hatte es gefälligst so zu sein, dass ihre Söhne beide ein Gymnasium besuchten und das Abitur ohne Sitzenbleiben bestanden, um dann erfolgreich ein Studium abzuschließen. Mit diesem Bild sah sich Max konfrontiert und fühlte sich wie ein Versager. Er hatte seine Eltern und besonders seine Mutter enttäuscht, die so viele Hoffnungen in ihn setzte, schließlich könnte er einmal die Firma seines Vaters übernehmen. Und dann war da noch die heiß geliebte Oma, deren Lieblingsenkel die kleine Prinzessin war, bei der immer alles perfekt war und bei der es nichts zu beanstanden gab.
Ich wusste, wie schlecht sich Max fühlte, und er tat mir unendlich Leid. Gerade deshalb fand ich es von Florian absolut dämlich, so ein dummes Kommentar abzugeben, aber das war eben typisch für ihn: Immer austeilen und nie selbst einstecken. Mittlerweile sollte ich mich an sein Verhalten gewöhnt haben, dem ist nicht so. Jedes Mal überrascht er mich mit seinen Spitzen aufs Neue.
Inzwischen war der Radio verstummt. Jan hatte ihn ausgemacht, mit der Bemerkung, dass die ollen Schinken, die sie den ganzen Mittag rauf und runter spielten, nur öde wären.
Frank wischte sich mit seiner Hand über den von Schokoeis verschmierten Mund. Das ist auch so eine Marotte, die mir jedes Mal sauer aufstößt, aber inzwischen habe ich es aufgegeben, dagegen vorzugehen. Breit grinsend sah er zu mir hinüber. Wahrscheinlich hatte er gemerkt, dass ich mit den Augen unwillkürlich gerollt hatte, als er sich über den Mund fuhr.
Sogleich mischte er sich munter in das Gespräch ein: „Dann hat er es aber nicht wirklich lange da ausgehalten, nicht?“
„Das stimmt“, antwortete Max, „ein ganzes Schuljahr hat er dort irgendwie über die Bühne gebracht.“
„Irgendwie ist gut. Ich frage mich, was er dort gemacht hat, wo er jetzt die Elf wiederholen muss. Dann muss er sich wirklich dämlich angestellt haben, denn wer bleibt schon auf so einer Schule sitzen“, stellte Dennis fest.
Beim Wort Sitzenbleiben wanderten Florians Mundwinkel nach oben, und er fügte Folgendes hinzu: „Also Sitzenbleiben ist doch nun wirklich nicht schwer, da brauchen wir nur unseren Experten befragen. Nicht wahr Max?“
„Was wohl?! Er ist endlich von seinem blöden Internat geflogen! Er kommt wieder zurück!“, rief Dennis freudig aus.
Für einen winzigen Moment war es totenstill. Das Eis schmolz langsam in der Sommerhitze dahin, während ich die linke Augenbraue nach oben zog und Dennis kritisch beäugte. Jan dagegen saß mit großen Augen und offenem Mund da. Ihm war vor Verblüffung doch tatsächlich die Kinnlade hinunter gefallen!
„Aber das ist noch nicht alles. Daniel ist schon morgen Nachmittag wieder da!“, fügte Florian noch hinzu, lehnte sich zufrieden in seinem Stuhl zurück und ließ seinen Blick wieder über meinen Ausschnitt schweifen.
Ich tolerierte es und hakte stattdessen nach: „So plötzlich? Wir haben immerhin noch eine Woche Schule, bis die Sommerferien beginnen.“
„Das stimmt schon, aber er hält es im Internat einfach nicht mehr aus. Er muss seine Eltern solange genervt haben, dass sie ihn schon früher heruntergenommen haben. Stellt euch vor, ab nächstem Schuljahr ist er wieder bei uns! Dann sind wir alle wieder beisammen, und es ist wieder beim Alten!“, freute sich Dennis.
Doch Florian musste wieder einmal austeilen: „So ganz beim Alten ist es nicht, schließlich wird Max sitzen bleiben. Folglich ist er nach den Ferien nicht mehr in unserer Stufe.“
Beschämt sah Max zu Boden. Ihm war es peinlich, dass er sitzen blieb. Mich störte es nicht, aber ihn nahm es ziemlich mit. Seine Mutter, also meine Tante, war nicht gerade begeistert davon, es passte nicht in ihr Bild von einem Sohn aus gutem Hause. Genauso verhielt es sich bei ihr mit der Tatsache, dass ihr jüngster Sohn Jan eine Realschule besuchte. Für sie hatte es gefälligst so zu sein, dass ihre Söhne beide ein Gymnasium besuchten und das Abitur ohne Sitzenbleiben bestanden, um dann erfolgreich ein Studium abzuschließen. Mit diesem Bild sah sich Max konfrontiert und fühlte sich wie ein Versager. Er hatte seine Eltern und besonders seine Mutter enttäuscht, die so viele Hoffnungen in ihn setzte, schließlich könnte er einmal die Firma seines Vaters übernehmen. Und dann war da noch die heiß geliebte Oma, deren Lieblingsenkel die kleine Prinzessin war, bei der immer alles perfekt war und bei der es nichts zu beanstanden gab.
Ich wusste, wie schlecht sich Max fühlte, und er tat mir unendlich Leid. Gerade deshalb fand ich es von Florian absolut dämlich, so ein dummes Kommentar abzugeben, aber das war eben typisch für ihn: Immer austeilen und nie selbst einstecken. Mittlerweile sollte ich mich an sein Verhalten gewöhnt haben, dem ist nicht so. Jedes Mal überrascht er mich mit seinen Spitzen aufs Neue.
Inzwischen war der Radio verstummt. Jan hatte ihn ausgemacht, mit der Bemerkung, dass die ollen Schinken, die sie den ganzen Mittag rauf und runter spielten, nur öde wären.
Frank wischte sich mit seiner Hand über den von Schokoeis verschmierten Mund. Das ist auch so eine Marotte, die mir jedes Mal sauer aufstößt, aber inzwischen habe ich es aufgegeben, dagegen vorzugehen. Breit grinsend sah er zu mir hinüber. Wahrscheinlich hatte er gemerkt, dass ich mit den Augen unwillkürlich gerollt hatte, als er sich über den Mund fuhr.
Sogleich mischte er sich munter in das Gespräch ein: „Dann hat er es aber nicht wirklich lange da ausgehalten, nicht?“
„Das stimmt“, antwortete Max, „ein ganzes Schuljahr hat er dort irgendwie über die Bühne gebracht.“
„Irgendwie ist gut. Ich frage mich, was er dort gemacht hat, wo er jetzt die Elf wiederholen muss. Dann muss er sich wirklich dämlich angestellt haben, denn wer bleibt schon auf so einer Schule sitzen“, stellte Dennis fest.
Beim Wort Sitzenbleiben wanderten Florians Mundwinkel nach oben, und er fügte Folgendes hinzu: „Also Sitzenbleiben ist doch nun wirklich nicht schwer, da brauchen wir nur unseren Experten befragen. Nicht wahr Max?“
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Montag, 12. Mai 2008
Von den Anfängen... Teil 1
susisdiary, 21:15h
Liebe, ein unbegreifliches Mysterium. Ein Wort, indem so vieles steckt, das so viel Gefühl enthält, wie kaum ein anderes, und dennoch fern von allem Greifbaren. Jeder meint zu wissen, was mit diesem Wort gemeint ist, aber eine Erklärung für dieses Phänomen gibt es nicht, jedenfalls nicht, wenn man die Wissenschaftler nicht mit einbezieht. Der einfache Mann auf der Straße wird ihnen auf die Frage hin, was denn eigentlich Liebe sei, irgendeine plakative Antwort liefern, vielleicht fällt ihm sogar etwas romantisches, philosophisches oder poetisches ein, aber eine eindeutige Definition werden sie nicht erhalten können.
Liebe ist ein Gefühl, das jeder auf seine Weise erfährt. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Gefühl so wie in Kitschromanen oder in Hollywoodschinken versinnbildlicht wird, Hauptsache man fühlt es. Das Wie sollte hier, denke ich, nicht von Bedeutung sein.
Liebe ist eine Empfindung, die manchmal seltsame Wege geht. Diese Wege sind so unergründlich, dass wir meist von Schicksal oder der wahren Liebe reden, wenn wir diese Art von Liebe antreffen. Es scheint zu zufällig, wie manche Komponenten und Menschen aufeinander treffen, ohne dass kein höheres Prinzip dahinter stünde, und so entstand der Wunsch nach dem einzig richtigen Partner.
Von dieser großen, einzig wahren Liebe wird ständig gesprochen, überall ist es zu lesen, und immer wieder stellt sich die alles entscheidende Frage: Gibt es sie, oder gibt es sie nicht? Auch ich kann ihnen diese Frage nicht beantworten, jedoch bin ich einer Antwort sehr nahe.
Alles fing ganz unschuldig und unwissend vor wenigen Jahren an einem herrlich heißen Sommertag an, an dem sie im Radio gerade „Girl like you“ von The Troggs spielten. Ich weiß, es ist ein altes Lied, aber dank genau dieses Songs passierte etwas völlig überraschendes. Man schrieb das Jahr 1999, und ich erwartete sehnsüchtig meinen siebzehnten Geburtstag.
„I want to spend my life with a girl like you, bababababa babababa“, dröhnte es aus den Radioboxen.
Der Radio schepperte, und freudig drang die Frage des Liedes “Can I dance with you?“ an mein Ohr. Ich saß gemütlich auf einem Gartenstuhl, den ich im Schatten der Terrasse neben dem großen Tisch platziert hatte. Hier war es einfach angenehm; in der Sonne wäre ich wahrscheinlich wie Butter zerlaufen, aber im kühlen Schatten ließ es sich aushalten. Während ich die Augen geschlossen hatte und mich völlig auf das Lied konzentrierte, hörte ich, wie sich jemand zu mir an den Tisch setzte. Rasch machte ich die Augen auf und sah, wie mein Cousin Jan neben mir Platz genommen hatte und sich genüsslich die eiskalte Zitronenlimonade einschenkte, die auf dem Terrassentisch griffbereit stand.
Blinzelnd fragte er mich: „Sag mal Susi, wo bleibt denn der Max? Solange braucht der doch nicht, um Eis zu holen, oder doch?“
„Ich habe keine Ahnung. Vielleicht hat er ja noch jemanden getroffen und hat sich fest gequatscht“, antwortete ich und schloss wieder langsam die Augen.
„Der bringt es noch fertig, und kommt mit geschmolzenem Eis vorbei!“, entgegnete Jan ärgerlich, doch ich wollte mich nicht darüber ärgern, schließlich wollte ich das Lied zu Ende hören.
Es kam anders. Gerade als ich mich wieder mit meiner ganzen Aufmerksamkeit dem Lied widmen wollte, hörte ich Schritte. Genervt von der erneuten Störung riss ich meine Augen auf und setzte mich aufrecht hin. Dem Störenfried wollte ich den Marsch blasen! Blitzartig drehte ich mich im Stuhl herum, damit ich dem Störenfried in die Augen sehen konnte. Ich wollte gerade meine Stimme erheben, doch da blieb mir das Wort im Halse stecken.
Hinter mir waren mein Cousin Max mit seinen Freunden Dennis und Florian aufgetaucht, die mir breit grinsend das abgepackte Eis aus der Eisdiele entgegen hielten. Verblüfft sah ich das Trio an. Jan sprang in dem Moment von seinem Stuhl auf, eilte zu dem Trio und entriss ihnen das Paket.
Mürrisch sagte er: „Na das wird aber auch Zeit! Hat ja lange gedauert! Was macht ihr beiden eigentlich hier?“
„Willst du nicht ein paar Schüsseln holen, schließlich können wir das Eis schlecht so Essen. Sei ein guter Gastgeber und kümmere dich darum!“, meinte Max lächelnd dazu und ließ sich auf einen Stuhl fallen, der genau neben meinem stand.
Dennis und Florian taten es ihm gleich. Dennis nahm neben Max Platz, und Florian saß gegenüber von mir. Ich begrüßte die beiden und musste feststellen, dass Florian mir wieder lieber in den Ausschnitt als ins Gesicht sah, aber heute war mir das gleich. Heute wollte ich mich nicht über ihn aufregen, so schwer es mir fiel.
Während ich mich noch heimlich über Florian wurmte, wand sich Max höflich an mich: „Entschuldige, dass es länger gedauert hat, aber die beiden haben mich ein wenig abgelenkt. Da sie eine wahnsinnig tolle Neuigkeit haben, dachte ich, sie kommen am besten mit und erzählen es euch selbst.“
„Da bin ich aber gespannt!“, verkündete ich strahlend und fragte mich, was das denn für eine Neuigkeit sein konnte, aus der man ein solches Geheimnis machen musste.
Auf eine erklärende Antwort brauchte ich nicht lange zu warten. Nur wenige Minuten später kam Jan zusammen mit meinem kleinen Bruder Frank schwer bepackt aus dem Haus zurück. Frank trug das Besteck und ein paar Servierten. Wie immer hatte er sich das Leichteste herausgesucht. Im Gegensatz zu ihm balancierte Jan die großen, teuren Glasschüsseln meiner Tante, die sie zu ihrer Hochzeit bekommen hatte. Kaum hatten sich die beiden zu uns an den Tisch gesetzt und das Eis war verteilt, gab Max seinem Freund Dennis einen leichten Stoß in die Seite.
Dennis zuckte kurz zusammen und begann dann das Geheimnis zu lüften: „Ich habe vor fast zwei Stunden mit Daniel telefoniert. Er hat es endlich geschafft!“
Dennis machte eine gezielte Pause. Wahrscheinlich wollte er testen, wie Jan, Frank und ich darauf reagierten, aber wir drei zeigten uns recht unbeeindruckt. Mit vollen Backen sahen die beiden „Kleinen“ Dennis gelangweilt an.
Liebe ist ein Gefühl, das jeder auf seine Weise erfährt. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Gefühl so wie in Kitschromanen oder in Hollywoodschinken versinnbildlicht wird, Hauptsache man fühlt es. Das Wie sollte hier, denke ich, nicht von Bedeutung sein.
Liebe ist eine Empfindung, die manchmal seltsame Wege geht. Diese Wege sind so unergründlich, dass wir meist von Schicksal oder der wahren Liebe reden, wenn wir diese Art von Liebe antreffen. Es scheint zu zufällig, wie manche Komponenten und Menschen aufeinander treffen, ohne dass kein höheres Prinzip dahinter stünde, und so entstand der Wunsch nach dem einzig richtigen Partner.
Von dieser großen, einzig wahren Liebe wird ständig gesprochen, überall ist es zu lesen, und immer wieder stellt sich die alles entscheidende Frage: Gibt es sie, oder gibt es sie nicht? Auch ich kann ihnen diese Frage nicht beantworten, jedoch bin ich einer Antwort sehr nahe.
Alles fing ganz unschuldig und unwissend vor wenigen Jahren an einem herrlich heißen Sommertag an, an dem sie im Radio gerade „Girl like you“ von The Troggs spielten. Ich weiß, es ist ein altes Lied, aber dank genau dieses Songs passierte etwas völlig überraschendes. Man schrieb das Jahr 1999, und ich erwartete sehnsüchtig meinen siebzehnten Geburtstag.
„I want to spend my life with a girl like you, bababababa babababa“, dröhnte es aus den Radioboxen.
Der Radio schepperte, und freudig drang die Frage des Liedes “Can I dance with you?“ an mein Ohr. Ich saß gemütlich auf einem Gartenstuhl, den ich im Schatten der Terrasse neben dem großen Tisch platziert hatte. Hier war es einfach angenehm; in der Sonne wäre ich wahrscheinlich wie Butter zerlaufen, aber im kühlen Schatten ließ es sich aushalten. Während ich die Augen geschlossen hatte und mich völlig auf das Lied konzentrierte, hörte ich, wie sich jemand zu mir an den Tisch setzte. Rasch machte ich die Augen auf und sah, wie mein Cousin Jan neben mir Platz genommen hatte und sich genüsslich die eiskalte Zitronenlimonade einschenkte, die auf dem Terrassentisch griffbereit stand.
Blinzelnd fragte er mich: „Sag mal Susi, wo bleibt denn der Max? Solange braucht der doch nicht, um Eis zu holen, oder doch?“
„Ich habe keine Ahnung. Vielleicht hat er ja noch jemanden getroffen und hat sich fest gequatscht“, antwortete ich und schloss wieder langsam die Augen.
„Der bringt es noch fertig, und kommt mit geschmolzenem Eis vorbei!“, entgegnete Jan ärgerlich, doch ich wollte mich nicht darüber ärgern, schließlich wollte ich das Lied zu Ende hören.
Es kam anders. Gerade als ich mich wieder mit meiner ganzen Aufmerksamkeit dem Lied widmen wollte, hörte ich Schritte. Genervt von der erneuten Störung riss ich meine Augen auf und setzte mich aufrecht hin. Dem Störenfried wollte ich den Marsch blasen! Blitzartig drehte ich mich im Stuhl herum, damit ich dem Störenfried in die Augen sehen konnte. Ich wollte gerade meine Stimme erheben, doch da blieb mir das Wort im Halse stecken.
Hinter mir waren mein Cousin Max mit seinen Freunden Dennis und Florian aufgetaucht, die mir breit grinsend das abgepackte Eis aus der Eisdiele entgegen hielten. Verblüfft sah ich das Trio an. Jan sprang in dem Moment von seinem Stuhl auf, eilte zu dem Trio und entriss ihnen das Paket.
Mürrisch sagte er: „Na das wird aber auch Zeit! Hat ja lange gedauert! Was macht ihr beiden eigentlich hier?“
„Willst du nicht ein paar Schüsseln holen, schließlich können wir das Eis schlecht so Essen. Sei ein guter Gastgeber und kümmere dich darum!“, meinte Max lächelnd dazu und ließ sich auf einen Stuhl fallen, der genau neben meinem stand.
Dennis und Florian taten es ihm gleich. Dennis nahm neben Max Platz, und Florian saß gegenüber von mir. Ich begrüßte die beiden und musste feststellen, dass Florian mir wieder lieber in den Ausschnitt als ins Gesicht sah, aber heute war mir das gleich. Heute wollte ich mich nicht über ihn aufregen, so schwer es mir fiel.
Während ich mich noch heimlich über Florian wurmte, wand sich Max höflich an mich: „Entschuldige, dass es länger gedauert hat, aber die beiden haben mich ein wenig abgelenkt. Da sie eine wahnsinnig tolle Neuigkeit haben, dachte ich, sie kommen am besten mit und erzählen es euch selbst.“
„Da bin ich aber gespannt!“, verkündete ich strahlend und fragte mich, was das denn für eine Neuigkeit sein konnte, aus der man ein solches Geheimnis machen musste.
Auf eine erklärende Antwort brauchte ich nicht lange zu warten. Nur wenige Minuten später kam Jan zusammen mit meinem kleinen Bruder Frank schwer bepackt aus dem Haus zurück. Frank trug das Besteck und ein paar Servierten. Wie immer hatte er sich das Leichteste herausgesucht. Im Gegensatz zu ihm balancierte Jan die großen, teuren Glasschüsseln meiner Tante, die sie zu ihrer Hochzeit bekommen hatte. Kaum hatten sich die beiden zu uns an den Tisch gesetzt und das Eis war verteilt, gab Max seinem Freund Dennis einen leichten Stoß in die Seite.
Dennis zuckte kurz zusammen und begann dann das Geheimnis zu lüften: „Ich habe vor fast zwei Stunden mit Daniel telefoniert. Er hat es endlich geschafft!“
Dennis machte eine gezielte Pause. Wahrscheinlich wollte er testen, wie Jan, Frank und ich darauf reagierten, aber wir drei zeigten uns recht unbeeindruckt. Mit vollen Backen sahen die beiden „Kleinen“ Dennis gelangweilt an.
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