Sonntag, 18. Mai 2008
Von den Anfängen... Teil 3
susisdiary, 20:36h
Max zuckte zusammen und sah wieder zu Boden. Warum machte Florian das? Warum ließ er seinen Freund nicht endlich in Ruhe? Irgendwann kann man es ja auch mal gut sein lassen, oder etwa nicht? Muss man ständig in anderer Leute Wunden herumstochern? Ich denke nicht.
Dennis legte plötzlich seine Stirn in Falten und sagte zu meinem Bruder gewandt: „Frank, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.“
Ich zog meine Augenbraue nach oben. Was sollte das jetzt heißen?
Bevor ich allerdings nachfragen konnte, was Dennis damit meinte, wollte Florian wissen: „Was willst du uns jetzt damit sagen?“
„Dass an der Sache was komisch ist. Wie kann ein Schüler, der nur Einser und Zweier einheimst, denn plötzlich sitzen bleiben? Ist doch irgendwie merkwürdig, oder? Also hat unser Kleiner hier Recht: Er hat es dort nicht ausgehalten“, erklärte Dennis mit gedankenverlorenem Blick.
„Da ist was Wahres dran. Ich kann mich nur gar nicht mehr daran erinnern, dass es ihm auf dem Internat nicht gefiel“, entgegnete ich.
„So direkt hat er das auch nie gesagt, jedenfalls nicht bei mir. Vielleicht hat er mit Leon darüber geredet“, vermutete Max, der nun auch angestrengt nachdachte.
Während die Jungs sich von diesem Augenblick an zu wilden Spekulationen hinreißen ließen, hing ich meinen eigenen Gedanken nach: Es war fast ein Jahr her, als ich Daniel das letzte Mal gesehen hatte. Ein Jahr lang hatte ich auf meinen gleichmütigen Verbündeten verzichten müssen, ein Jahr lang hatten wir alle ohne ihn auskommen müssen. Er hat uns wirklich sehr gefehlt, was wir erst nicht hatten wahrhaben wollen.
Das Leben geht schon seltsame Wege, wenn du einen stillen, verzogenen Streber vermisst, der auch noch Kind wohlhabender Eltern ist, aber so ist das nun einmal bei engen Freunden. Und Daniel war so ein enger Freund.
Seit ich denken kann, war er zusammen mit Leon immer bei meiner Tante gewesen. Da Daniels und auch Leons Eltern gute Freunde meiner Tante waren und beide Jungen mein Alter hatten, war es unvermeidbar gewesen, sie nicht kennen zu lernen. Eine weitere interessante Irrung des Lebens, wie sie manchmal zu finden ist.
Früher war ich froh gewesen, Daniel um mich herum zu haben, weil er eigentlich genau so introvertiert war wie ich und deshalb ein angenehmer Ausgleich zu meinem vorlauten Cousin Max und dessen frechen Freund Leon, der so schaurig finster gucken konnte. Da war Daniels strahlendes Gesicht gerne anzuschauen, auch wenn er immer so schrecklich schüchtern war.
Diese Schüchternheit konnte er als Kleinkind nur im Spiel besiegen, wo es immer hochdramatisch zuging. Meist dachte ich mir eine tragisch-fantastische Handlung aus, die von etlichen Trickfilmen, Märchen oder anderen Filmen inspiriert waren, während sich Max, Leon und Daniel um die Heldenrolle prügelten. Max zog bei diesen Auseinandersetzungen eigentlich immer den Kürzeren, schließlich gibt es keine kleinen Helden, so zumindest die Aussage von Leon. Da Leon aber allzu häufig den düsteren Blick aufsetzte, war er als Held auch ungeeignet, schließlich dürfen die Helden nicht mit den Bösewichtern verwechselt werden. So kam es bei diesen Spielen zu folgender Aufteilung: Ich war die heißumkämpfte Prinzessin, die vor dem Schurken Leon von Held Daniel gerettet werden sollte. Max kam dabei die ungeliebte Rolle des einfachen oder magischen Helfers zuteil; eine Rolle, die er sein Leben lang hassen wird.
So war es zumindest früher gewesen. Heute sah die Sache anders aus: Die alten Spiele waren vergessen, eine neue Zeit war angebrochen. Wir vier blieben von der Pubertät nicht verschont, weshalb sich einige Dinge grundlegend änderten. Mein Cousin Max spürte genau die Blicke seiner Freunde, die mir galten, aber ich gab nichts darauf ganz im Gegensatz zu Max. Für mich waren sie nur Freunde, mit denen ich Freud und Leid teilte. Natürlich hatte ich sie alle gern, jedoch nicht so gern, dass ich es bei einem als Liebe bezeichnen wollte. Während ich mich sorglos verhielt, markierte Max den strengen Aufpasser. Er verhielt sich immer mehr wie ein großer Bruder und klopfte seinen Freunden auf die Finger, wenn es ihm zu weit ging, obwohl jegliche Situation absolut harmlos war. Warum ich das alles viel zu leicht nahm, kann ich mir heute nicht erklären.
Die Jungs diskutierten hin und her. Ich hielt mich aus dem Gespräch heraus und fragte mich, ob sich Daniel in diesem Jahr wohl verändert haben mochte. Daniel und verändert? Ein Widerspruch für sich! Schnell verwarf ich diesen Gedanken wieder und widmete mich der Tatsache, warum er vom Internat geflogen und sitzen geblieben war. Es war für mich unbegreiflich, dass ein als Streber geltender, schlauer Junge einfach so von der Schule fliegen konnte und ein Jahr wiederholen musste. Was war da nur passiert? Ich grübelte und grübelte, konnte aber keine mir logisch erscheinende Antwort finden, was bei der Hitze allerdings auch schlecht möglich war.
Mein Kopf qualmte, als ich schließlich Dennis` Stimme vernahm: „Es ist doch eigentlich egal, was da vorgefallen ist, solange er nur heim kommt!“
„Genau“, hörte ich mich sagen, „freuen wir uns lieber auf morgen und feiern mit ihm seine Heimkehr!“
Dennis legte plötzlich seine Stirn in Falten und sagte zu meinem Bruder gewandt: „Frank, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.“
Ich zog meine Augenbraue nach oben. Was sollte das jetzt heißen?
Bevor ich allerdings nachfragen konnte, was Dennis damit meinte, wollte Florian wissen: „Was willst du uns jetzt damit sagen?“
„Dass an der Sache was komisch ist. Wie kann ein Schüler, der nur Einser und Zweier einheimst, denn plötzlich sitzen bleiben? Ist doch irgendwie merkwürdig, oder? Also hat unser Kleiner hier Recht: Er hat es dort nicht ausgehalten“, erklärte Dennis mit gedankenverlorenem Blick.
„Da ist was Wahres dran. Ich kann mich nur gar nicht mehr daran erinnern, dass es ihm auf dem Internat nicht gefiel“, entgegnete ich.
„So direkt hat er das auch nie gesagt, jedenfalls nicht bei mir. Vielleicht hat er mit Leon darüber geredet“, vermutete Max, der nun auch angestrengt nachdachte.
Während die Jungs sich von diesem Augenblick an zu wilden Spekulationen hinreißen ließen, hing ich meinen eigenen Gedanken nach: Es war fast ein Jahr her, als ich Daniel das letzte Mal gesehen hatte. Ein Jahr lang hatte ich auf meinen gleichmütigen Verbündeten verzichten müssen, ein Jahr lang hatten wir alle ohne ihn auskommen müssen. Er hat uns wirklich sehr gefehlt, was wir erst nicht hatten wahrhaben wollen.
Das Leben geht schon seltsame Wege, wenn du einen stillen, verzogenen Streber vermisst, der auch noch Kind wohlhabender Eltern ist, aber so ist das nun einmal bei engen Freunden. Und Daniel war so ein enger Freund.
Seit ich denken kann, war er zusammen mit Leon immer bei meiner Tante gewesen. Da Daniels und auch Leons Eltern gute Freunde meiner Tante waren und beide Jungen mein Alter hatten, war es unvermeidbar gewesen, sie nicht kennen zu lernen. Eine weitere interessante Irrung des Lebens, wie sie manchmal zu finden ist.
Früher war ich froh gewesen, Daniel um mich herum zu haben, weil er eigentlich genau so introvertiert war wie ich und deshalb ein angenehmer Ausgleich zu meinem vorlauten Cousin Max und dessen frechen Freund Leon, der so schaurig finster gucken konnte. Da war Daniels strahlendes Gesicht gerne anzuschauen, auch wenn er immer so schrecklich schüchtern war.
Diese Schüchternheit konnte er als Kleinkind nur im Spiel besiegen, wo es immer hochdramatisch zuging. Meist dachte ich mir eine tragisch-fantastische Handlung aus, die von etlichen Trickfilmen, Märchen oder anderen Filmen inspiriert waren, während sich Max, Leon und Daniel um die Heldenrolle prügelten. Max zog bei diesen Auseinandersetzungen eigentlich immer den Kürzeren, schließlich gibt es keine kleinen Helden, so zumindest die Aussage von Leon. Da Leon aber allzu häufig den düsteren Blick aufsetzte, war er als Held auch ungeeignet, schließlich dürfen die Helden nicht mit den Bösewichtern verwechselt werden. So kam es bei diesen Spielen zu folgender Aufteilung: Ich war die heißumkämpfte Prinzessin, die vor dem Schurken Leon von Held Daniel gerettet werden sollte. Max kam dabei die ungeliebte Rolle des einfachen oder magischen Helfers zuteil; eine Rolle, die er sein Leben lang hassen wird.
So war es zumindest früher gewesen. Heute sah die Sache anders aus: Die alten Spiele waren vergessen, eine neue Zeit war angebrochen. Wir vier blieben von der Pubertät nicht verschont, weshalb sich einige Dinge grundlegend änderten. Mein Cousin Max spürte genau die Blicke seiner Freunde, die mir galten, aber ich gab nichts darauf ganz im Gegensatz zu Max. Für mich waren sie nur Freunde, mit denen ich Freud und Leid teilte. Natürlich hatte ich sie alle gern, jedoch nicht so gern, dass ich es bei einem als Liebe bezeichnen wollte. Während ich mich sorglos verhielt, markierte Max den strengen Aufpasser. Er verhielt sich immer mehr wie ein großer Bruder und klopfte seinen Freunden auf die Finger, wenn es ihm zu weit ging, obwohl jegliche Situation absolut harmlos war. Warum ich das alles viel zu leicht nahm, kann ich mir heute nicht erklären.
Die Jungs diskutierten hin und her. Ich hielt mich aus dem Gespräch heraus und fragte mich, ob sich Daniel in diesem Jahr wohl verändert haben mochte. Daniel und verändert? Ein Widerspruch für sich! Schnell verwarf ich diesen Gedanken wieder und widmete mich der Tatsache, warum er vom Internat geflogen und sitzen geblieben war. Es war für mich unbegreiflich, dass ein als Streber geltender, schlauer Junge einfach so von der Schule fliegen konnte und ein Jahr wiederholen musste. Was war da nur passiert? Ich grübelte und grübelte, konnte aber keine mir logisch erscheinende Antwort finden, was bei der Hitze allerdings auch schlecht möglich war.
Mein Kopf qualmte, als ich schließlich Dennis` Stimme vernahm: „Es ist doch eigentlich egal, was da vorgefallen ist, solange er nur heim kommt!“
„Genau“, hörte ich mich sagen, „freuen wir uns lieber auf morgen und feiern mit ihm seine Heimkehr!“
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