Montag, 19. Mai 2008
Von den Anfängen... Teil 4
susisdiary, 20:27h
Der nächste Tag brach an. Es war noch heißer geworden, und ich fragte mich, wie ich das morgen in der Schule aushalten sollte. Ich hatte keine Lust, heute Abend wieder nach Hause zu fahren, daheim meine Sachen für die Schule zu packen und morgen bei Sommerhitze im brühwarmen Klassenzimmer zu sitzen. An den morgigen Unterricht wollte ich erst recht nicht denken! Warum musste denn noch eine Woche Unterricht sein, wo sowieso schon alles vorbei war?
Die Morgenstunden zogen sich schleppend dahin. Max, Jan, Frank und ich spielten nach dem Frühstück ein paar Computerspiele. Ich drückte irgendwelche Knöpfe, weil meine Gedanken ganz woanders waren. Immer wieder kreisten meine Gedanken um Daniel. Ich war bis in die Haarspitzen angespannt und platzte fast vor Neugier, was ich jedoch nie zugeben wollte. Im Gegensatz zu mir konzentrierten sich die Jungs völlig auf das Spiel und waren seltsamerweise nicht erfolgreich. Ich schlug sie alle, obwohl ich gar nicht aufpasste. Welch niederschmetterndes Ergebnis! Besiegt von einem Mädchen! Das kann doch nicht sein!
Nach dem Mittagessen machten wir es uns im Garten auf einer Decke gemütlich, wo wir Monopoly spielten. Eigentlich war ich gegen dieses Spiel gewesen, weil es hier um Geld ging. Bei solchen Spielen konnte mein kleiner Bruder absolut nicht verlieren, und er fing immer gleich zu heulen an, wenn er sich mal wieder verspekuliert hatte. Es war wie immer das Gleiche: Mein Bruder und Jan waren am verlieren, also drückte mein Bruder auf die Tränendrüse. Max und ich ließen uns erweichen und änderten daraufhin die Spielregeln. Es gab Kredit, der nicht zurückgezahlt werden muss, und die Welt war wieder in Ordnung.
Als die Uhr viertel nach drei anzeigte und mein Onkel mit meiner Tante spazieren war, fragte Max: „Wann kommt der Depp den endlich? Der soll jetzt gefälligst beikommen, schließlich seid ihr auch nicht mehr ewig da.“
„Dann hat er eben Pech gehabt, wenn wir schon weg sind. Wollen wir noch weiter spielen?“, entgegnete ich und sah Max gelangweilt an.
Mein Cousin erwiderte meinen Blick und beobachtete unsere Kleinen, die mit dem Spielgeld eifrig scherzten. Auch ich sah ihnen zu.
In diesem Moment fiel mir auf, wie warm mir plötzlich war, weshalb ich meinte: „Sagt mal, ist euch auch so heiß?“
„Ich kann ja was zur Abkühlung holen. Eis ist doch ok? Frank nimmt Schoko, Jan du doch bestimmt auch. Was möchtest du, Susi?“, erkundigte sich Max.
„Oh ja! Schokoeis!“, riefen Jan und Frank gleichzeitig aus.
„Warte, ich komme mit“, antwortete ich.
So gingen wir hinein Richtung Vorratskammer, wo die große Tiefkühltruhe stand und auf uns wartete. Das Eis war schnell gefunden: Schokoeis für die Kleinen, Vanilleeis für die Großen. Während Max alle vier Tüten mit nach draußen nahm, suchte ich ein Badezimmer auf. Es klingelte an der Haustür, als ich mir kaltes Wasser ins Gesicht spritzte. Meine Eltern konnten das unmöglich sein, also musste Daniel vor der Tür stehen.
Ich war mir ziemlich sicher, dass Max die Tür öffnete, und ließ mir deshalb ein wenig mehr Zeit. Nervös verließ ich das Bad und ging auf die Terrasse, wo ich Max mit dem Gast vermutete. Mein Gefühl täuschte mich nicht. Auf der Terrasse stand Max freudig strahlend neben einem blondhaarigen Jungen, der mit dem Rücken zur Terrassentür und somit auch zu mir stand. Verblüfft stellte ich fest, dass dieser Junge, der nur Daniel sein konnte, meinen Cousin ein ganzes Stück überragte. Daniel war zwar immer ein wenig größer als Max gewesen, aber waren es denn so viele Zentimeter gewesen? Unsicher wanderte mein Blick über den einen zum anderen und wieder zurück.
Mittlerweile hatte mich Max aus dem Augenwinkel erkannt und rief munter aus: „Wenn du dich jetzt umdrehst, siehst du unsere Prinzessin wieder, die auch schon sehnsüchtig auf dich gewartet hat!“
Langsam drehte sich Daniel zu mir um. Mir war, als vergingen Minuten, bis ich das vertraute und zugleich auch fremde Gesicht erblickte. Wenige Sekunden verstrichen, in denen Daniel und ich uns nur ansahen. Das war der Freund, auf den ich gewartet hatte? Ich wollte es nicht glauben. Dieser Kerl mit den leuchtenden, himmelblauen Augen mit einem verschmitzten Lächeln in topmodischem Dress sollte Daniel sein? Niemals! Doch bevor ich es noch länger bezweifeln konnte, riss sich Daniel plötzlich aus seiner Versteinerung los, eilte auf mich zu und nahm mich herzlich in seine Arme.
Leise flüsterte er in mein Ohr: „Endlich sehen wir uns wieder! Du hast mir so gefehlt! Wie habe ich es nur ein Jahr ohne euch kaputten Haufen ausgehalten?“
Innerlich zuckte ich zusammen. Das war nicht die vertraute Stimme, die zu meinem Freund gehörte. Nicht nur sein Outfit sondern auch seine Stimme hatte sich in diesem Jahr grundlegend verändert. Noch bevor ich etwas sagen konnte, löste er seine Arme und sah mich von oben bis unten an. Sein Blick blieb an meinen Haaren hängen.
Sogleich fragte er: „Du hast dir deine langen Haare rot gefärbt?“
„Ja, mit Henna“, antwortete ich knapp.
„Das sieht echt verdammt gut aus! Davon hast du mir ja gar nichts erzählt, Max. Wieso verheimlichst du das denn?“, sagte Daniel und wand sich wieder Max zu.
Etwas später waren wir alle wiedervereint: Dennis, Leon und Florian waren gekommen, um mit uns die Rückkehr zu feiern. Wir sechs Großen waren wieder vollzählig. Endlich!
Am selben Abend fuhren Frank und ich wieder nach Hause. Während mein Bruder nur davon sprach, dass alles wieder beim Alten war, dachte ich über das Wiedersehen nach. Irgendwie hatte ich ein anderes Gefühl als mein kleiner Bruder. Es wird nie wieder wie beim Alten sein, dachte ich, sprach es jedoch nicht aus. Etwas war anders, doch ich konnte nicht fassen, was es war. Es war nicht nur Daniels Erscheinen und seine Stimme gewesen, die sich verändert hatten. Wir anderen hatten uns ebenso verändert, auch wenn wir es an diesem Tag nicht hatten wahrhaben wollen.
Die Morgenstunden zogen sich schleppend dahin. Max, Jan, Frank und ich spielten nach dem Frühstück ein paar Computerspiele. Ich drückte irgendwelche Knöpfe, weil meine Gedanken ganz woanders waren. Immer wieder kreisten meine Gedanken um Daniel. Ich war bis in die Haarspitzen angespannt und platzte fast vor Neugier, was ich jedoch nie zugeben wollte. Im Gegensatz zu mir konzentrierten sich die Jungs völlig auf das Spiel und waren seltsamerweise nicht erfolgreich. Ich schlug sie alle, obwohl ich gar nicht aufpasste. Welch niederschmetterndes Ergebnis! Besiegt von einem Mädchen! Das kann doch nicht sein!
Nach dem Mittagessen machten wir es uns im Garten auf einer Decke gemütlich, wo wir Monopoly spielten. Eigentlich war ich gegen dieses Spiel gewesen, weil es hier um Geld ging. Bei solchen Spielen konnte mein kleiner Bruder absolut nicht verlieren, und er fing immer gleich zu heulen an, wenn er sich mal wieder verspekuliert hatte. Es war wie immer das Gleiche: Mein Bruder und Jan waren am verlieren, also drückte mein Bruder auf die Tränendrüse. Max und ich ließen uns erweichen und änderten daraufhin die Spielregeln. Es gab Kredit, der nicht zurückgezahlt werden muss, und die Welt war wieder in Ordnung.
Als die Uhr viertel nach drei anzeigte und mein Onkel mit meiner Tante spazieren war, fragte Max: „Wann kommt der Depp den endlich? Der soll jetzt gefälligst beikommen, schließlich seid ihr auch nicht mehr ewig da.“
„Dann hat er eben Pech gehabt, wenn wir schon weg sind. Wollen wir noch weiter spielen?“, entgegnete ich und sah Max gelangweilt an.
Mein Cousin erwiderte meinen Blick und beobachtete unsere Kleinen, die mit dem Spielgeld eifrig scherzten. Auch ich sah ihnen zu.
In diesem Moment fiel mir auf, wie warm mir plötzlich war, weshalb ich meinte: „Sagt mal, ist euch auch so heiß?“
„Ich kann ja was zur Abkühlung holen. Eis ist doch ok? Frank nimmt Schoko, Jan du doch bestimmt auch. Was möchtest du, Susi?“, erkundigte sich Max.
„Oh ja! Schokoeis!“, riefen Jan und Frank gleichzeitig aus.
„Warte, ich komme mit“, antwortete ich.
So gingen wir hinein Richtung Vorratskammer, wo die große Tiefkühltruhe stand und auf uns wartete. Das Eis war schnell gefunden: Schokoeis für die Kleinen, Vanilleeis für die Großen. Während Max alle vier Tüten mit nach draußen nahm, suchte ich ein Badezimmer auf. Es klingelte an der Haustür, als ich mir kaltes Wasser ins Gesicht spritzte. Meine Eltern konnten das unmöglich sein, also musste Daniel vor der Tür stehen.
Ich war mir ziemlich sicher, dass Max die Tür öffnete, und ließ mir deshalb ein wenig mehr Zeit. Nervös verließ ich das Bad und ging auf die Terrasse, wo ich Max mit dem Gast vermutete. Mein Gefühl täuschte mich nicht. Auf der Terrasse stand Max freudig strahlend neben einem blondhaarigen Jungen, der mit dem Rücken zur Terrassentür und somit auch zu mir stand. Verblüfft stellte ich fest, dass dieser Junge, der nur Daniel sein konnte, meinen Cousin ein ganzes Stück überragte. Daniel war zwar immer ein wenig größer als Max gewesen, aber waren es denn so viele Zentimeter gewesen? Unsicher wanderte mein Blick über den einen zum anderen und wieder zurück.
Mittlerweile hatte mich Max aus dem Augenwinkel erkannt und rief munter aus: „Wenn du dich jetzt umdrehst, siehst du unsere Prinzessin wieder, die auch schon sehnsüchtig auf dich gewartet hat!“
Langsam drehte sich Daniel zu mir um. Mir war, als vergingen Minuten, bis ich das vertraute und zugleich auch fremde Gesicht erblickte. Wenige Sekunden verstrichen, in denen Daniel und ich uns nur ansahen. Das war der Freund, auf den ich gewartet hatte? Ich wollte es nicht glauben. Dieser Kerl mit den leuchtenden, himmelblauen Augen mit einem verschmitzten Lächeln in topmodischem Dress sollte Daniel sein? Niemals! Doch bevor ich es noch länger bezweifeln konnte, riss sich Daniel plötzlich aus seiner Versteinerung los, eilte auf mich zu und nahm mich herzlich in seine Arme.
Leise flüsterte er in mein Ohr: „Endlich sehen wir uns wieder! Du hast mir so gefehlt! Wie habe ich es nur ein Jahr ohne euch kaputten Haufen ausgehalten?“
Innerlich zuckte ich zusammen. Das war nicht die vertraute Stimme, die zu meinem Freund gehörte. Nicht nur sein Outfit sondern auch seine Stimme hatte sich in diesem Jahr grundlegend verändert. Noch bevor ich etwas sagen konnte, löste er seine Arme und sah mich von oben bis unten an. Sein Blick blieb an meinen Haaren hängen.
Sogleich fragte er: „Du hast dir deine langen Haare rot gefärbt?“
„Ja, mit Henna“, antwortete ich knapp.
„Das sieht echt verdammt gut aus! Davon hast du mir ja gar nichts erzählt, Max. Wieso verheimlichst du das denn?“, sagte Daniel und wand sich wieder Max zu.
Etwas später waren wir alle wiedervereint: Dennis, Leon und Florian waren gekommen, um mit uns die Rückkehr zu feiern. Wir sechs Großen waren wieder vollzählig. Endlich!
Am selben Abend fuhren Frank und ich wieder nach Hause. Während mein Bruder nur davon sprach, dass alles wieder beim Alten war, dachte ich über das Wiedersehen nach. Irgendwie hatte ich ein anderes Gefühl als mein kleiner Bruder. Es wird nie wieder wie beim Alten sein, dachte ich, sprach es jedoch nicht aus. Etwas war anders, doch ich konnte nicht fassen, was es war. Es war nicht nur Daniels Erscheinen und seine Stimme gewesen, die sich verändert hatten. Wir anderen hatten uns ebenso verändert, auch wenn wir es an diesem Tag nicht hatten wahrhaben wollen.
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