Samstag, 31. Mai 2008
Weitere Verwicklungen... Teil 1
susisdiary, 18:41h
Veränderungen können überraschend und ohne jedwede Vorwarnung eintreten, oder aber sie schleichen sich heimtückisch ganz langsam heran. Nach den Sommerferien ereignete sich so einiges, was ich am liebsten übersprungen hätte. Die Schule wurde stressig, was wohl daran lag, dass ab sofort alles für das Abi zählte. Vor lauter Stress hatte ich da kaum noch für anderes Zeit, geschweige denn einen Kopf dafür! Es war zum aus der Haut fahren! Zu allem Überfluss vertraten in meiner Stufe immer mehr Leute die Ansicht, dass Mobbing ein sichtliches Vergnügen bereitet. Außerdem wurde es üblich, noch weiter auf jemandem herumzuhaken, auch wenn er bereits am Boden lag. Dieses Verhalten widerte mich dermaßen an, dass ich mich teilweise völlig aus dem Geschehen zurückzog oder ab und an versuchte, den Rächer der Armen und Unterdrückten zu spielen. Damit machte ich mich nicht gerade beliebt, doch das war mir gleich.
Es wäre daher wünschenswert gewesen, wenn ich von meinen Freunden ein wenig erbaulichere Geschichten hörte; leider war dem nicht so. Daniel führte Kurzbeziehungen, die meist innerhalb von zwei Wochen wieder beendet waren. Leon und Gabriel waren da mehr für One-Night-Stands zu begeistern. Und was war mit Max? Der konnte sehen, wo er blieb, was sicherlich auch nicht gerade einfach war.
Die Zeit verging. Plötzlich schrieb man das Jahr 2001, und mein Abitur stand bevor. Die schriftlichen Prüfungen hatte ich bereits hinter mir gelassen, nur die mündliche Kunstprüfung musste noch gemeistert werden, was ein Klacks für mich sein sollte. Bevor ich jedoch mein Abi in der Tasche hatte, stand der 18. Geburtstag von Max an. Er wollte bei sich daheim eine große Party veranstalten, und das natürlich an einem Abend, an dem seine Eltern nicht da waren.
Noch während der Vorbereitungen für das großartige Ereignis tischte er mir eine – wie er es nannte - Superidee auf. Auf Grund einer Verkettung unglücklicher Umstände mussten zwei Rollen im Schultheaterstück neu besetzt werden. Dank meiner jahrelangen Erfahrung vom Ballett wäre ich dafür mehr als geeignet. Gutmütig wie ich war, sagte ich ohne lange zu überlegen zu. Ich dachte, es könne ja nicht schwierig sein, so ein paar Sätze nach der Prüfung zu lernen und mit meinen Freunden auf der Bühne zu stehen. Wie sich nämlich herausstellte, spielten Daniel und Leon bereits mit.
Aber vor der großen Aufführung stand erst einmal der Geburtstag auf dem Programm. Es kamen viele Gäste, die Stimmung war fantastisch und es gab keine unerfreulichen Zwischenfälle. Da wir in den Geburtstag hineinfeierten, stießen wir gemeinsam um Punkt zwölf an. Zu dieser Zeit verspürte ich einen unangenehmen Druck im Kopf, was für einen meiner berühmten Migräneanfälle sprach. Da drinnen die Luft zu stickig und es draußen wunderbar warm war, suchte ich mir einen gemütlichen Platz auf der Terrasse, wo sich Daniel, Leon und Dennis zu mir gesellten. Gabriel stand drinnen wie immer in einem Pulk von Mädchen und ließ sich anhimmeln, während wir die Szene belustigt beobachteten. Überhaupt hatten wir einen guten Platz, von dem wir alles wunderbar beobachten konnten.
Wir konnten in aller Ruhe sehen, dass Florian einen besonderen Leckerbissen zu sich nahm und erst viel später registrierte, was er da eigentlich gegessen hatte. Das kommt davon, wenn man zuviel Alkohol zu sich nehmen muss. Aber er war nicht der Einzige, der an diesem Abend zu viel getrunken hatte. Max torkelte durch die Gegend, so dass man aufpassen musste, dass er nichts Kostbares zu Bruch brachte. Am herrlichsten war aber Chris, der so betrunken war, dass er nicht merkte, mit wem er sich unterhielt. Er stand am Teich und redete mit einem der herum schwimmenden Kois. Immer wieder sagte er: „Jetzt schau mich nicht so blöd an, oder es gibt gleich Ärger.“ Darüber konnten wir nur lachen.
Umso mehr Zeit verging, umso schneller verging mir aber das Lachen, da die Kopfschmerzen immer unerträglicher wurden. Schließlich blieb mir nichts anderes übrig, als mich zurückzuziehen und hinzulegen. Ich schlich auf mein Zimmer, zog mich langsam um und legte mich auf das Bett. Da ich aber viel zu aufgekratzt war, schnappte ich mein Buch und las ein wenig.
Keine halbe Stunde verging, da klopfte es unverhofft an meiner Tür. Leon trat ein.
Verwundert über sein plötzliches Erscheinen fragte ich: “Was willst du denn hier?“
„Ich wollte sehen, ob es dir schon ein bisschen besser geht“, sagte er.
„Nicht wirklich. Der pochende Schmerz ist trotz Tablette noch nicht verschwunden“, antwortete ich und legte dabei das Buch zur Seite.
Er setzte sich zu mir auf das Bett und meinte: „Es wird sicher gleich besser werden.“
„Das hoffe ich. Möchtest du nicht wieder zu den anderen gehen?“, wollte ich wissen.
„Möchtest du mich etwa loswerden, Susi?“, erkundigte er sich.
„Das nicht direkt, aber wegen mir musst du dir die Party nicht entgehen lassen“, antwortete ich.
Er ließ sie sich aber entgehen. Erst am nächsten Morgen dämmerte mir, dass das Ganze für die anderen doch ein wenig merkwürdig aussehen musste, schließlich war er bei mir eingeschlafen, nachdem er mich versucht hatte, von meinen Kopfschmerzen mit den verrücktesten Geschichten abzulenken. Zwischenzeitlich hatte ich sogar so herzlich lachen müssen, dass ich schrie, er solle aufhören. Dabei hatte ich vergessen, dass das Fenster gekippt war und die anderen noch auf der Terrasse saßen. Peinlich, so was. Und dabei war rein gar nichts passiert, was allerdings die anderen nicht so recht glauben wollten. Einzig und allein Jan war derjenige, dem die Ereignisse relativ gleichgültig waren. Er verbrachte den Morgen damit, in aller Ruhe aufzuräumen und störte sich an den blöden Sprüchen der anderen Helfer nicht.
Nie hatte ich gedacht, dass dieser harmlose, nächtliche Besuch große Wellen schlagen würde, aber er tat es. Mein Freund war wenig davon begeistert gewesen, dass ich die Nacht über zusammen mit Leon im selben Zimmer und – viel schlimmer noch – im selben Bett verbracht hatte. Er sollte aber noch mehr zum Aufregen bekommen, schließlich hatte ich für das Theaterstück zugesagt.
Mir wurde schwindelig, als ich nach meinem bestandenen Abi feststellte, auf was ich mich eigentlich eingelassen hatte. Ich hatte eine der vier Hauptrollen zu ersetzen. Im Klartext hieß das: Viel Text in sehr wenig Zeit auswendig zu lernen. Zu allem Überfluss spielte Daniel meinen Partner, was meinen Freund fast zur Weißglut brachte.
Das Stück sollte zum Schulfest, das idealerweise kurz vor den Sommerferien festgesetzt war, aufgeführt werden. Mit Elan liefen die Proben ab, und alles schien perfekt. Beinahe schon zu perfekt für meinen Geschmack.
Es wäre daher wünschenswert gewesen, wenn ich von meinen Freunden ein wenig erbaulichere Geschichten hörte; leider war dem nicht so. Daniel führte Kurzbeziehungen, die meist innerhalb von zwei Wochen wieder beendet waren. Leon und Gabriel waren da mehr für One-Night-Stands zu begeistern. Und was war mit Max? Der konnte sehen, wo er blieb, was sicherlich auch nicht gerade einfach war.
Die Zeit verging. Plötzlich schrieb man das Jahr 2001, und mein Abitur stand bevor. Die schriftlichen Prüfungen hatte ich bereits hinter mir gelassen, nur die mündliche Kunstprüfung musste noch gemeistert werden, was ein Klacks für mich sein sollte. Bevor ich jedoch mein Abi in der Tasche hatte, stand der 18. Geburtstag von Max an. Er wollte bei sich daheim eine große Party veranstalten, und das natürlich an einem Abend, an dem seine Eltern nicht da waren.
Noch während der Vorbereitungen für das großartige Ereignis tischte er mir eine – wie er es nannte - Superidee auf. Auf Grund einer Verkettung unglücklicher Umstände mussten zwei Rollen im Schultheaterstück neu besetzt werden. Dank meiner jahrelangen Erfahrung vom Ballett wäre ich dafür mehr als geeignet. Gutmütig wie ich war, sagte ich ohne lange zu überlegen zu. Ich dachte, es könne ja nicht schwierig sein, so ein paar Sätze nach der Prüfung zu lernen und mit meinen Freunden auf der Bühne zu stehen. Wie sich nämlich herausstellte, spielten Daniel und Leon bereits mit.
Aber vor der großen Aufführung stand erst einmal der Geburtstag auf dem Programm. Es kamen viele Gäste, die Stimmung war fantastisch und es gab keine unerfreulichen Zwischenfälle. Da wir in den Geburtstag hineinfeierten, stießen wir gemeinsam um Punkt zwölf an. Zu dieser Zeit verspürte ich einen unangenehmen Druck im Kopf, was für einen meiner berühmten Migräneanfälle sprach. Da drinnen die Luft zu stickig und es draußen wunderbar warm war, suchte ich mir einen gemütlichen Platz auf der Terrasse, wo sich Daniel, Leon und Dennis zu mir gesellten. Gabriel stand drinnen wie immer in einem Pulk von Mädchen und ließ sich anhimmeln, während wir die Szene belustigt beobachteten. Überhaupt hatten wir einen guten Platz, von dem wir alles wunderbar beobachten konnten.
Wir konnten in aller Ruhe sehen, dass Florian einen besonderen Leckerbissen zu sich nahm und erst viel später registrierte, was er da eigentlich gegessen hatte. Das kommt davon, wenn man zuviel Alkohol zu sich nehmen muss. Aber er war nicht der Einzige, der an diesem Abend zu viel getrunken hatte. Max torkelte durch die Gegend, so dass man aufpassen musste, dass er nichts Kostbares zu Bruch brachte. Am herrlichsten war aber Chris, der so betrunken war, dass er nicht merkte, mit wem er sich unterhielt. Er stand am Teich und redete mit einem der herum schwimmenden Kois. Immer wieder sagte er: „Jetzt schau mich nicht so blöd an, oder es gibt gleich Ärger.“ Darüber konnten wir nur lachen.
Umso mehr Zeit verging, umso schneller verging mir aber das Lachen, da die Kopfschmerzen immer unerträglicher wurden. Schließlich blieb mir nichts anderes übrig, als mich zurückzuziehen und hinzulegen. Ich schlich auf mein Zimmer, zog mich langsam um und legte mich auf das Bett. Da ich aber viel zu aufgekratzt war, schnappte ich mein Buch und las ein wenig.
Keine halbe Stunde verging, da klopfte es unverhofft an meiner Tür. Leon trat ein.
Verwundert über sein plötzliches Erscheinen fragte ich: “Was willst du denn hier?“
„Ich wollte sehen, ob es dir schon ein bisschen besser geht“, sagte er.
„Nicht wirklich. Der pochende Schmerz ist trotz Tablette noch nicht verschwunden“, antwortete ich und legte dabei das Buch zur Seite.
Er setzte sich zu mir auf das Bett und meinte: „Es wird sicher gleich besser werden.“
„Das hoffe ich. Möchtest du nicht wieder zu den anderen gehen?“, wollte ich wissen.
„Möchtest du mich etwa loswerden, Susi?“, erkundigte er sich.
„Das nicht direkt, aber wegen mir musst du dir die Party nicht entgehen lassen“, antwortete ich.
Er ließ sie sich aber entgehen. Erst am nächsten Morgen dämmerte mir, dass das Ganze für die anderen doch ein wenig merkwürdig aussehen musste, schließlich war er bei mir eingeschlafen, nachdem er mich versucht hatte, von meinen Kopfschmerzen mit den verrücktesten Geschichten abzulenken. Zwischenzeitlich hatte ich sogar so herzlich lachen müssen, dass ich schrie, er solle aufhören. Dabei hatte ich vergessen, dass das Fenster gekippt war und die anderen noch auf der Terrasse saßen. Peinlich, so was. Und dabei war rein gar nichts passiert, was allerdings die anderen nicht so recht glauben wollten. Einzig und allein Jan war derjenige, dem die Ereignisse relativ gleichgültig waren. Er verbrachte den Morgen damit, in aller Ruhe aufzuräumen und störte sich an den blöden Sprüchen der anderen Helfer nicht.
Nie hatte ich gedacht, dass dieser harmlose, nächtliche Besuch große Wellen schlagen würde, aber er tat es. Mein Freund war wenig davon begeistert gewesen, dass ich die Nacht über zusammen mit Leon im selben Zimmer und – viel schlimmer noch – im selben Bett verbracht hatte. Er sollte aber noch mehr zum Aufregen bekommen, schließlich hatte ich für das Theaterstück zugesagt.
Mir wurde schwindelig, als ich nach meinem bestandenen Abi feststellte, auf was ich mich eigentlich eingelassen hatte. Ich hatte eine der vier Hauptrollen zu ersetzen. Im Klartext hieß das: Viel Text in sehr wenig Zeit auswendig zu lernen. Zu allem Überfluss spielte Daniel meinen Partner, was meinen Freund fast zur Weißglut brachte.
Das Stück sollte zum Schulfest, das idealerweise kurz vor den Sommerferien festgesetzt war, aufgeführt werden. Mit Elan liefen die Proben ab, und alles schien perfekt. Beinahe schon zu perfekt für meinen Geschmack.
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